296 Fürſt und Kavalier.
drückte. Doch duldete ſie dieſes Spiel nicht lange und entzog ihm ſanft ihre Hände, wobei ſie ſagte:„Wollen Sie nun überzeugt ſein, daß ich heute gegen Sie bin, für Sie denke und fühle, wie an jenem Abend, nur daß ich mich ſelbſt in einer ernſteren Stim⸗ mung befinde, wozu ich gewiß meine triftigen Urſachen habe?“
„Gewiß, Viktorine, ich verſtehe das.— O könnte ich Ihnen den Schmerz ausdrücken, den ich empfand, als mir Saleck Mit⸗ theilung über die vorgefallene Szene machte. Ich konnte nichts thun, als hieherkommen, nicht wie damals am Abend, ſondern heute am Tage, ſo öffentlich wie nur möglich, ein Zufall, vielleicht ein glücklicher, fügte es, daß mein Beſuch bei Ihnen zu einem förmlichen Ereigniß wurde.“
„Ein ſchroffer Gegenſatz,“ erwiederte ſie lächelnd,„der mir vielleicht ebenfalls wieder ſchaden könnte, wenn nicht überhaupt Alles für mich hier zu Ende wäre.“
„Wie ſoll ich das verſtehen?“ rief er erſchrocken,„wäre die Beleidigung, die man Ihnen zugefügt, ſo tief, daß keine Genug⸗ thuung möglich wäre?“
„Keine, auch ſcheint man drüben von dem mir zugefügten Unrecht nicht ſehr überzeugt zu ſein; man hat ſich wenigſtens nicht beeilt, es durch irgend Etwas wieder gut zu machen, und ſo ſah ich mich denn heute Morgen veranlaßt, um meine Entlaſſung zu bitten.“
„Das hätten Sie gethan, Viktorine,“ rief er aufſpringend, „und ohne erſt mit mir, Ihrem Freunde, darüber zu Rathe ge⸗ gangen ſein?— o ich kann Ihnen nicht ausdrücken, wie es mich freut, daß Sie dieſen Schritt gethan, und wie es mich dagegen ſchmerzt, daß Sie ihn gethan, ohne ſich um meinen Rath zu bekümmern“
„Ich verſtehe dieſen Widerſpruch nicht.“
„Wie geſagt, Ihr Entſchluß entzückt mich, zieht mich zu Ihren Füßen hin, während Ihre kalte Selbſtſtändigkeit mich wieder zurück⸗ ſtößt.— Sie wollen in die Welt hinaustreten,— Sie dürfen in die Welt hinaustreten, frei, reich, unabhängig, wenn Sie mir er⸗ lauben, Ihr Führer zu ſein.“


