Teil eines Werkes 
49. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Fürſt und Kavalier. 295

trotzdem ich ehrfurchtsvoll grüßend vor Ihnen ſtand und viel ſehr viel darum gegeben hätte, wenn ein freundlicher Blick Ihres Auges mich getroffen.

Ah, machte das ſchöne Mädchen und ihre Blicke leuchteten jetzt freundlicher auf, wie bisher,ich erinnere mich deſſen, was Sie meinen: Sie grüßten Ihre Hoheit, die Prinzeſſin, und wie hätten wir, die armen Hofdamen durch freundlichen Gegengruß eine ſolche Verehrung für uns in Anſpruch nehmen können?

Und doch ſaß eine andere Dame Ihnen gegenüber, die mir freundlich dankte.

Sie war unbefangener als ich, mein lieber Freund, ſagte Fräulein von Saint⸗Aubin mit leiſer Stimme,ich erſchrak, als ich Sie ſah, es war mir, als hätte ich ein böſes Gewiſſen, ich hatte vielleicht eine Ahnung von dem, was kam.

Nein, nein, erwiederte er haſtig,es lag in Ihrer Abſicht, mich nicht zu grüßen, o, ich hätte etwas darum gegeben, wenn ich auf Ihrem Geſichte eine Ueberraſchung, ein Erſchrecken bemerkt haben würde, aber nichts wie Kälte und Gleichgültigkeit. Sie wollten mir zeigen, wie ſehr es Sie gereue, mich an jenem Abend mit dem ſüßen Gefühle freundſchaftlicher Jugenderinnerungen em⸗ pfangen zu haben.

Gehen Sie nicht ſo hart mit mir um, gab das ſchöne Mädchen mit einem freundlichen Lächeln zur Antwort,nehmen Sie meine Hand und zugleich die Verſicherung, daß ich nicht die Abſicht hatte, Ihnen wehe zu thun, aus welchem Grunde auch? Glauben Sie, ſetzte ſie mit bitterem Tone hinzu,ich ſei ſo reich an Freunden, daß ich einen, der ſich mir erprobt, durch lächerliche Koketterie von mir weiſen könnte?

Er hatte die ihm dargebotene Rechte mit beiden Händen er⸗ griffen, küßte ſie warm und innig, und als er ihr nun auch mit einem bittenden Blicke ſeine rechte Hand entgegenſtreckte, legte ſie für einen Augenblick ihre Linke hinein, ſo daß er eine kurze Zeit ihre beiden Hände hielt und eine nach der andern an ſeinen Mund