294 Fürſt und Kavalier.
Rolle, als vertrauter Freund zweier Fürſten, als ihr Rathgeber und ihr Entſchuldiger.“
„i, mein Fräulein,“ verſetzte er kopfſchüttelnd und mit einem beſorgten Blick auf das junge Mädchen,„ich bin weder der Freund dieſer Fürſten, noch ihr Rathgeber, noch viel weniger aber will ich entſchuldigen, was man Ihnen zugefügt; wenn es mir geſtattet iſt, hier Partei zu nehmen, ſo nehme ich die Ihrige, Viktorine, aus vollem Herzen, mit meinen beſten Kräften,— vermögen Sie daran zu zweifeln?— o gewiß nicht.“
Er hatte das mit einem ſolchen Tone der Ueberzeugung aus⸗ geſprochen, ſie auch dabei mit einem ſo feſten und Vertrauen er⸗ regenden Blicke angeſchaut, daß ſie unwillkürlich ihre Augen nie⸗ derſchlug, worauf er mit Innigkeit fortfuhr:„Sie wiſſen, was mich vor einigen Tagen hieher führte: Sie bemerkten wohl, wie herzlich ich mich freute, Sie wieder zu ſehen, und Sie, die voll⸗ endete Dame ſelbſt glänzender zu finden, als das kleine Mädchen zu werden verſprach, wie es mich aber dabei entzückte, Ihr gutes, ja ich darf ſagen treues Herz wie damals wieder ſympatiſch an⸗ klingen zu hören, ein Herz, das ſich, wenn auch nur für Augen⸗ blicke, zu dem Jugendfreunde wieder hingezogen fühlte.“
„Und warum nur für Augenblicke?“ frug ſie, indem ſie ihn feſt anblickte,„glauben Sie, mein Herz ſei ſo wankelmüthig, daß es morgen das verleugne, wozu es ſich heute bekennt?“
„Man hat Beiſpiele davon,“ erwiederte er lächelnd.
„Und welche?“ frug ſie haſtig.
„O, reden wir nicht darüber, Viktorine, ich bin in gewiſſen Dingen ein Kind: ich war ein übermüthiger Menſch und des Glaubens, eine ſtundenlange Unterredung könne unſer inniges, freundſchaftliches Verhältniß aus der Jugendzeit vollkommen wieder herſtellen, aber— Sie belehrten mich eines Andern.“
„Und wann hätte ich das gethan? ſprach ich Sie doch nicht mehr ſeit jenem Abend.“
„O nein, Sie ſprachen mich nicht mehr, ſahen mich auch nicht,


