Teil eines Werkes 
49. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Fürſt und Kavalier. 297

Statt zu antworten, preßte ſie ihre beiden Hände mit einem tiefen Athemzuge vor ihr Geſicht, und ſo kam es denn auch wohl, daß ſie es nicht bemerkte, wie er leiſe zu ihren Füßen niederglitt, und ihn erſt erſchreckend dort ſah, als er ſanft ihre beiden Hände entfernte und ſie eben ſo innig als ehrfurchtsvoll an ſeine Lippen drückte.Viktorine, bat er,verzeihen Sie mir das raſche Wort, das ich vorhin ſo ohne Weiteres gegen Sie ausſprach, ich konnte meinem Herzen nicht gebieten, ich mußte Ihnen gerade herausſagen, wie ich für Sie denke und fühle, und dieß Gefühl iſt ein ſo ſeliges, daß ich es Ihnen tauſendmal wiederholen möchte, indem ich Ihnen ſage, daß ich jetzt erſt deutlich empfinde, wie ich das kleine Mädchen von damals, meine Jugendgefährtin, geliebt, und wie dieſe Liebe nur geſchlummert hat, um jetzt mit der vollen Kraft des Mannes in mir emporzulodern; zürnen Sie mir, daß ich ſo offen mit Ihnen geredet, oder geſtehen Sie mir nun vielleicht das Recht zu, daß ich tief bedauernd Ihren Entſchluß vorhin vernahm? einen Ent⸗ ſchluß, der mich, ich wiederhole es, ſonſt zum glücklichſten Menſchen machen würde; zürnen Sie mir, meine geliebte Viktorine?

Trotzdem ſich ihr Blick einen Moment verſchleierte, trotzdem ſich ihre Augen mit Thränen füllten, konnte er doch nicht lange zweifelhaft bleiben, daß ſie ihm nicht zürne, denn aus ihrem um⸗ florten Auge brach unverkennbar jener glänzende Strahl, jenes Aufleuchten der Liebe hervor, den bis jetzt noch kein Sterblicher in dieſen Augen geſehen, und der gerade in dieſem glänzenden Blicke ſo wunderbar, ſo beſeligend, ſo berauſchend wirkte. Sie beugte ſich auf ihn herab und küßte ihn ſanft auf die Stirne, worauf ſie leicht ihre Hände aus den ſeinigen löste und ihn bat, aufzuſtehen. Sie erhob ſich mit ihm ohne an ſeiner Seite ſtehen zu bleiben, vielmehr trat ſie an's Fenſter und blickte in die Landſchaft hinaus.

Es war dieß ein feierlicher, ja heiliger Augenblick: er ſtand tief erſchüttert da, wunderbar durchbebt von dem unſäglichen Glücke, das ihm zu Theil geworden, ſie zitternd vor jeder weiteren An⸗ näherung, ja vor jedem weiteren Worte,