292 Fürſt und Kavalier.
berg, ein Bekannter von Ihnen, wünſcht Ihnen einen Beſuch zu machen, und ich möchte es nicht unterlaſſen, dieſen trefflichen jungen Mann ſelbſt zu Ihnen zu führen.— So, hier iſt meine Miſſion zu Ende,“ wandte er ſich an ſeinen Begleiter,„aber Sie laſſe ich dießmal ſo raſch nicht wieder verſchwinden, es wird um zwölf Uhr gefrühſtückt, und dabei wünſche ich Sie zu ſehen.“
Ramberg verbeugte ſich und that dabei einen bezeichnenden Blick auf ſeinen Oberrock, worauf der Fürſt freundlich erwiederte: „Kommen Sie nur, wie Sie ſind, Sie finden uns auch nicht anders, und obendrein will ich Sie bei meinem Oberſthofmeiſter entſchuldigen.“ Er winkte freundlich mit der Hand in das Zim⸗ mer hinein und ging in ſeine Gemächer zurück.
Ramberg blieb unter der Thüre ſtehen und ſchaute einen Au⸗ genblick dem Davongehenden nach, worauf er ſeine Blicke auf die junge Dame wandte.
„So angemeldet und eingeführt,“ ſagte Fräulein von Saint⸗ Aubin mit einer etwas zeremoniöſen Verbeugung,„darf ich Sie keine Sekunde an der Thüre ſtehen laſſen,— bitte treten Sie näher und nehmen Sie Platz.“ Sie zeigte auf einen kleinen Fauteuil vor ihrem Sopha und ſetzte ſich ſelbſt in eine Ecke des letzteren.
„Dieſe an ſich ſo ehrenvolle Begleitung,“ ſagte der Oberin⸗ genieur achſelzuckend,„iſt mir ohne mein Zuthun geworden, darauf können Sie ſich verlaſſen; ſo oft ich mich überhaupt in dieſen Räumen ſehen laſſe, ſcheint etwas Außerordentliches mit mir vor⸗ zugehen.— Wahrhaftig, mein gnädiges Fräulein, Erinnerungen aus der Kinderzeit werden in mir lebendig von Zauberſchlöſſern und dergleichen, bevölkert durch gute und böſe Feen.“
„ Gewöhnlich wohnen dieſe beiden Arten nicht beiſammen.“
„So drückte ich mich falſch aus; ich wollte ſagen, von Feen, die uns jetzt ein liebefreundliches Geſicht zeigen, wie Sie mir vor einigen Tagen, und die uns dann ernſt und grollend anſchauen, wie Sie im gegenwärtigen Augenblick.“
Letzteres war in der That ſo wie er ſagte. Fräulein von


