2909 3 Fürſt und Kavalier.
„Wenn Sie hier unerkannt und unbeachtet irgend einen Be⸗ ſuch machen wollen, ſo bedaure ich in der That, Ihnen begegnet zu ſein,“ flüſterte ihm der Fürſt zu,„doch iſt das ſogleich wieder gut zu machen: wir verabſchieden uns gleich hier, und Alles, was da vornen uns erwartend ſteht, ſchließt ſich an mich an und läßt Sie ungenirt ihres Weges ziehen.“
„Es führt mich durchaus nichts Geheimes her, Eure Hoheit, im Gegentheil, ich beabſichtige einen Beſuch zu machen, dem ich nicht ohne Urſache die größtmögliche Oeffentlichkeit zu geben wünſche, bei Fräulein von Saint⸗Aubin, der Hofdame Ihrer Hoheit der Prinzeſſin Helene.“
„Ah, ſiehe da,— ſiehe da,“ ſagte der Fürſt ſtehen bleibend, — richtig, Sie waren der Miſſethäter, welcher die arme Saint⸗ Aubin neulich Abends etwas verſtohlen beſuchte und ihr dadurch eine unangenehme Scene mit meiner Tochter verſchaffte?“
„Leider, Eure Hoheit, ich bin untröſtlich darüber.“
„Laſſen Sie's gut ſein, das gleicht ſich raſch wieder aus; He⸗ lene kann das nicht ſo ſchlimm gemeint haben, denn ſie kennt Fräu⸗ lein von Saint⸗Aubin ſo gut wie ich und wie Alle, die dieſes vortreffliche Mädchen kennen wollen, und weiß ebenfalls wie wir Alle, daß die gute Viktorine nicht im Stande iſt, irgend etwas Unpaſſendes nur zu denken, geſchweige denn zu thun.“
„Dieſes Wort aus dem Munde Eurer Hoheit entzückt mich, und ich mache meinen Beſuch mit leichterem Herzen.“
„Die Saint⸗Aubin iſt ein verſtändiges Mädchen,“ erwiederte der Fürſt leiſe,„verſchwiegen und meiner Tochter anhänglich, Sie können ihr unbedingt vertrauen, und da Sie aus Ihrem Beſuche kein Geheimniß machen, was ich recht in der Ordnung finde, ja da Sie dieſem Beſuche die größte Oeffentlichkeit geben möchten, ſo will ich Sie ſelbſt hinbegleiten, dann wird der letztere Zweck,“ ſetzte er lächelnd hinzu,„vollkommen erreicht ſein,— heda! rief er einem der Piqueurs zu,„ſehen Sie, ob Fräulein von Saint⸗ Aubin auf ihrem Zimmer iſt und Beſuche annimmt.“
Während der Befragte auf dem geraden Wege fortſtürzte,


