Fürſt und Kavalier. 289
Ernſte und drohend aufgehobenem Zeigefinger fort,„ſollte ich dieſe Einweihungsgeſchichte dazu benützen, Ihnen tüchtig den Text zu leſen, daß Ihre Eiſenbahnlinie mich einen ſchönen Theil meiner Waldungen koſtet, Waldungen, die ihresgleichen ſuchen, und die Sie mir mitten auseinandergeſchnitten haben.“
Namberg pries ſich glücklich ſo eine Veranlaſſung zu finden, um ſein Verfahren, die Bahnlinie ſo und nicht anders tracirt zu haben, zu rechtfertigen, was er aber dann auch mit ſolcher Sach⸗ kenntniß und Ueberzeugung that, daß der Fürſt, der anfänglich kopfſchüttelnd zugehört, leicht mit ſeinem Haupte zu nicken begann, zuletzt ſtehen blieb und erſtaunt ſagte:„Mein lieber, ſchätzbarer junger Freund, ich bin in der That überraſcht, auch in dieſem Felde ſo enorme und tiefgehende Kenntniſſe bei Ihnen zu finden. Ich belehre mich auch gerne über die Fortſchritte unſeres Jahr⸗ hunderts, verwende auch ſehr viel Zeit darauf, muß aber geſtehen, daß ich nicht im Stande wäre, ſo überzeugend zu reden und einen Andern zu meiner Anſicht zu bekehren; ich danke Ihnen dafür, denn nun kann ich doch mit leichterem Herzen und ohne Heuchelei denen da drüben einige anerkennende, verdiente Worte über Ihren in der That ſchönen Brückenbau ſagen,— ah, Sie bleiben vor⸗ trefflich in Ihrer Rolle,“ ſetzte der Fürſt heiter lachend hinzu, als ſich Ramberg geſchmeichelt verbeugte,„aber Sie haben Recht,— und nun, da wir am Schloſſe angekommen ſind, darf ich wohl fragen, wohin Sie Ihre Schritte lenken, und ob es Sie nicht com⸗ promittirt, mit mir geſehen zu werden?“
„Eure Hoheit ſetzen mich durch Ihre Güte wahrhaftig in die größte Verlegenheit, und ich weiß nicht, wie eine ſo große Güte gegenüber einer ſo unbedeutenden Perſönlichkeit wie die meinige zu rechtfertigen iſt.“ Er ſchaute in ziemlicher Verlegenheit vor ſich hin, wo die Stallleute mit abgezogenen Hüten ſtanden, und wo auch der Oberſtſtallmeiſter, Graf Sporbach, erwartungsvoll auf die Beiden ſchaute, die ſich Arm in Arm näherten.
Hackländer's Werke. 49. Bd. 19


