286 Fürſt und Kavalier.
„In einem Ausnahmsfalle, wie dieſem, darf ich vielleicht dieſen unpaſſenden Dienſt von Ihnen annehmen,“ gab der Fürſt zur Ant⸗ wort, worauf ſich der Oberſtſtallmeiſter mit einem ehrfurchtsvollen Gruße gegen die beiden Zurückbleibenden kopfſchüttelnd entfernte. So»was war ihm bei den überaus durchſichtigen Verhältniſſen des hieſigen Hofes noch nie vorgekommen, und er hätte gewünſcht, dem Hofmarſchall zu begegnen, um mit ihm über dieſen ganz außerordent⸗ lichen Fall zu ſprechen.
War auf dieſe Art der Oberſtſtallmeiſter überraſcht, ſo befand ſich ſeiner Seits der Oberingenieur Ramberg, denn er war der Fremde, in noch größerer Verlegenheit als an jenem Abend, wo er ſo unverhofft vor den Fürſten getreten war. Damals hatte ihm das eigenthümliche Zuſammentreffen gewiſſermaßen die Zunge ge⸗ lähmt, und es ſügte ſich ſo glücklich für ihn, daß ſeine wahren Betheuerungen kein williges Ohr fanden, auch kam an jenem Abende das Halbdunkel des Zimmers, ſelbſt die Ueberraſchung des Fürſten dazu, um es ihm zu erleichtern, eine falſche Rolle gezwungener Weiſe fortzuſpielen; heute aber an einem klaren Sommermorgen, im blendenden Lichte, in Gottes freier Natur in derſelben Komödie mitzuſpielen und nicht ſtehen zu bleiben, und mit etwas nothwen⸗ diger Derbheit zu ſagen: halten mir Eure Hoheit zu Gnaden, aber die Sache verhält ſich ſo und nicht anders, ich bin der und nicht jener Andere, das erſchien ihm rein unmöglich, und wie auch da⸗ mals nahm er ſich feſt vor, den Fürſten, ſobald er wieder daſſelbe Thema berühre, zu enttäuſchen, möge für ihn daraus erfolgen was da wolle.
Seine Hoheit hatte indeſſen ſeinen Arm in den Ramberg's ge⸗ ſchoben und ſagte nach einer Pauſe:„Ich habe Ihr Schreiben erhalten und muß Ihnen geſtehen, Sie haben das ganz vortrefflich gemacht.“
„Mein Schreiben?“ frug der Oberingenieur erſtaunt, dedn er erinnerte ſich nicht ſogleich, daß ihm Saleck geſagt, er werde dem Fürſten anzeigen, daß und wo er ſich in der Nähe befinde.


