34 Fürſt und Kavalier.
„Ich werde Ihnen einen Brief geben, den ich ſogleich ſchreibe; dieſen Brief laſſen Sie erſt alsdann an ſeine Adreſſe gelangen, das heißt übergeben ihn ſelbſt der bezeichneten Perſon, wenn es Ihnen im Vorzimmer Seiner Excellenz ſo ergangen iſt, wie Sie vorhin angedeutet— doch warten Sie einen Augenblick,“ ſagte er nach⸗ denkend, wobei er ſeine rechte Hand vor die Augen legte,„hat der Oberſthofmeiſter Sie je geſehen?“
„Ich glaube nicht, denn, wie Sie wiſſen, kam ich vor einem halben Jahre mit geſcheiterten Hoffnungen aus Texas; damals gaben Sie mir das bewußte Schreiben, worauf ich Seine Excellenz ſchriftlich befragte, wann ich mich ihm vorſtellen dürfe; die Antwort war: gelegentlich— nun Sie wiſſen, was es in dem Falle heißt: gelegentlich.“—
„Haben Sie das Schreiben bei ſich?“
„Gewiß, Herr Schloßhauptmann, hier iſt es.“ Herr von Felſing nahm das Schreiben aus ſeiner Brieftaſche und überreichte es dem alten Herrn, welcher es entfaltete, aufmerkſam durchlas und dann mit dem Kopfe nickte, worauf er ſagte:„Es iſt ganz gut ſo, in allgemeinem und, wie Sie mir zugeben müſſen, ganz günſtigem Ausdrucke abgefaßt; es gilt heute wie damals. Gut denn: Sie übergeben das Schreiben, aber hören Sie mich an, Sie übergeben es nicht in der Art des unterthänigen Bittſtel⸗ lers, ſondern mit dem gewiſſen Selbſtgefühl, das, wie ich weiß, Sie zu zeigen verſtehen, wenn Sie wollen, nicht wahr, Herr von Felſing?“
„O, unbeſorgt,“ gab dieſer lächelnd zur Antwort, indem er wie mit einem einzigen Rucke als ein ganz anderer Mann daſtand: er hatte den rechten Fuß vorgeſetzt, drückte ſeine Bruſt heraus und nahm den Kopf ſehr in die Höhe, wobei er noch zum Ueberfluß ſeinen langen Schnurrbart in die Höhe ſtrich, um plötzlich ſo unter⸗ nehmend auszuſchauen, daß ſich der alte Herr mit zuſammengelegten Händen lächelnd vor ihm verbeugte, wobei er ſagte:„So iſt's


