Fürſt und Kavalier. 3⁵
recht, Sie haben das Ausſehen, Gnaden zu ertheilen ſtatt zu empfangen.“
„Und will alſo in Gottesnamen auf Ihren Befehl dieſe Hal⸗ tung annehmen und beibehalten, möge dabei herauskommen, was will,“ ſetzte er mit einem Seufzer hinzu.
Der Schloßhauptmann hatte ſich indeſſen an ſeinem Schreib⸗ tiſche niedergelaſſen und warf raſch wenige Zeilen auf's Papier, welche er dem Andern zum Durchleſen übergab, wobei er fagte, „damit Sie ſehen, daß es kein Uriasbrief iſt.“
„Laſſen wir das, Herr Schloßhauptmann,“ ſagte Herr von Felſing mit einer abwehrenden Handbewegung,„Sie kennen das grenzenloſe Zutrauen, das ich für Sie hege.“
„Nein, nein, ich bitte, leſen Sie laut.“
„Der Ueberbringer dieſer Zeilen iſt Herr von Felſing, ein Be⸗ kannter von mir, für den ich vollkommene Gewähr übernehme.“—
„Vollkommene Gewähr,“ unterbrach der alte Herr den Leſer mit erhobenem Zeigefinger, worauf Jener ſich begnügte, die rechte Hand auf die Bruſt zu legen, und dann geſchmeichelt fortfuhr zu leſen:„ein Kavalier im beſten Sinne des Wortes, gewandt, an⸗ hänglich, verſchwiegen. Näheres wird er Ihnen ſelbſt mittheilen.“
„Sind Sie damit zufrieden?“ frug der Schloßhauptmann.
„Ich bin davon entzückt,“ erwiederte der Andere,„und wenn die Adreſſe dieſes Briefes meinen Hoffnungen entſpricht, ſo kann es mir nicht fehlen.“
„Ja, ja, die Adreſſe,“ meinte lächelnd der alte Herr, indem er ſtill vergnügt ein Couvert überſchrieb und das zurückgenommene Schreiben hineinſteckte,„ich nahm mir Ihre Anſpielung von vor⸗ her, das Vorzimmer betreffend, zu Herzen, und darum denke ich, wir wollen es mit einer andern Thüre verſuchen— da nehmen Sie.“
Herr von Felſing griff haſtig nach dem Briefe, doch als er die Adreſſe auf demſelben geleſen, flog etwas wie getäuſchte Erwar⸗


