Fürſt und Kavalier. 33
für Sie einlegen, wenn ich nur eine Stelle wüßte, auf der man Sie unterbringen könnte; das ſchrieb ich Ihnen ja auch und hatte gewiß recht, wenn ich Ihnen ſagte, es ſei mir unmöglich, für Sie ſelbſt die kleinſte Stelle zu ſchaffen.— Trotzdem wollen Sie nach Warneck?“ fuhr er nach einer kleinen Pauſe fort.
„Unter der Vorausſetzung,“ fiel Herr von Felſing raſch ein, „daß Sie ſo viel für mich thun wollen, um mir durch einen ge⸗ wichtigen Brief wenigſtens Eingang zu verſchaffen.“
„An wen, mein lieber Felſing? Ich wüßte wahrhaftig nicht an wen. Die Empfehlung, welche ich Ihnen damals an den Oberſt⸗ hofmeiſter Seiner Durchlaucht gab, iſt noch in Ihren Händen und empfiehlt Sie dringend genug.“
„Gewiß— aber es iſt— verſtehen Sie mich nicht falſch, Herr Schloßhauptmann, der gewiſſe Strohhalm gaukelt immer um mich herum, an dem ich mich halten möchte, um nicht unterzuſinken: jener Brief iſt eine Empfehlung für's Vorzimmer; man kommt mit demſelben nicht weiter,— o Sie kennen das beſſer wie ich, man wird empfangen, man erhält ein paar gnädige Worte, dann das gewiſſe ſehr bezeichnende Kopfnicken, und iſt wieder draußen vor der Thüre, ehe man ſich deſſen verſieht.“
Der alte Herr hatte dieſe Worte lächelnd angehört und dann mit geſenktem Kopfe, und denſelben auf eine eigenthümliche Art hin und her ſchüttelnd ſeinen Spaziergang wieder begonnen, doch unter⸗ brach er ihn nach einiger Zeit eben ſo raſch wie vorher, blieb vor Herrn von Felſing ſtehen und ſagte, indem er ihn mit dem Zeige⸗ finger leicht auf die Bruſt ſtieß:„Gut, Sie ſollen ſehen, daß ich für Sie thue, was in meinen Kräften ſteht, vielleicht mehr als ich ſollte. Dieſes Wort gilt nicht Ihnen, Herr von Felſing, denn wenn ich nicht von Ihrer Loyalität feſt überzeugt wäre, hätle ich mich ja damit begnügt, Ihre Karte in Empfang zu nehmen.“
„Der Himmel lohne es Ihnen, wenn Sie ſich meiner an⸗ nehmen.“ 4
Hackländer's Werke. 49. Bd. 9


