32 Fürſt und Kavalier.
Fremde mit einer wohl tiefen aber nicht gerade ſehr zeremoniöſen Verbeugung zur Antwort,„gekommen bin ich trotzdem aber, wie Sie ſehen,“ ſetzte er achſelzuckend mit hoch emporgezogenen Augen⸗ brauen hinzu,„was wollen Sie? der Ertrinkende greift nach einem Strohhalm, und ein paar Wendungen in Ihrem verehrlichen Schrei⸗ ben ſchienen mir mehr als ein Strohhalm zu ſein.“
„Ich wünſchte, Sie hätten denſelben keine ſolche Auslegung gegeben, denn ich verſichere Sie, Herr von Felſing, es wird bei uns ſehr ſchwer, ja unmöglich etwas für Sie zu machen ſein.“
„Das wäre ſehr traurig; ich bin mit meinem Latein ſo zu ſagen am Ende, und auch noch mit manchem Andern. Sie kennen ja meine Fähigkeiten und meine beſcheidenen Anſprüche— ſollte ſich denn gar nichts finden Aaſſen?“ Er drückte ſeine Reiſemütze mit den Fingern zuſammen und blickte mit ziemlich troſtloſem Ausdrucke
auf den Schkoßhauptmann, welcher die Hände auf den Rücken ge⸗ legt hatte und wie es ſchien nachdenkend im Zimmer auf und ab
ging—„wäre in der That denn gar nichts zu finden, auch nicht das Kleinſte und Beſcheidenſte?“
Der alte Herr blieb in ſeinem Spaziergange plötzlich ſtehen, und der Blick, mit dem er Herrn von Felſing betrachtete, ſchien dieſem einen Hoffnungsſchimmer einzuflößen, denn er wandte ſich raſch, wobei er dringend fortfuhr:„Gewiß, verehrteſter Herr, wenn Sie wollen, ſo finden Sie etwas für mich, ich weiß es ja, wie weit Ihre Hand reicht, wie viel Sie vermögen bei Ihrer ſcheinbaren Zu⸗ rückgezogenheit, bei dem behaglichen Stillleben, welches Sie führen.“
„Mein lieber Herr von Felſing,“ gab der Andere kopfſchüttelnd zur Antwort,„Sie überſchätzen meinen Einfluß um tauſend Prozent, eigentlich hab ich gar keinen, ich beobachte nur ſo den Lauf der Dinge, kombinire, was kommen könnte, zuſammen, und habe da⸗ durch manchmal richtige Vermuthungen, das iſt Alles.— Aber um von Ihnen ſelbſt zu reden, ſo kenne ich allerdings Ihre Fähigkeiten, Ihren ehrenhaften Charakter, und würde auch gewiß jedes Wort
8·
—,—


