Fürſt und Kavalier. 31
Als der Fremde hierauf dem Schloſſe zuging und erſt wenige Schritte gemacht hatte, begegnete er dem andern Herrn, der ſo eben von dort zurückkam, um ſich zu ſeinem kleinen Diner zu begeben. Eigenthümlicher Weiſe machte er den ganz gleichen Weg wie Jener gethan, und ſchritt durch dieſelbe kleine Seitenpforte des Schloſſes, hinter welcher der alte Portier noch immer auf ſeinem Stuhle ſaß und in ſeiner Zeitung las; doch glauben wir annehmen zu dürfen, daß er bei dieſem Geſchäfte zuweilen einnickte, um dann immer wieder von vornen anzufangen.
„He da, mein Freund!“ rief ihn der Eingetretene an,„können Sie mir nicht ſagen, wo ich auf dem kürzeſten Wege zu dem Herrn Schloßhauptmann von Werner gelange?“
„Dort rechts über die kleine Treppe zweiter Stock die Thüre rechts; an der Thüre links finden Sie Namen und Glockenzug der Dienerſchaft.“
Wir wollen dem geneigten Leſer nur kurz andeuten, daß auch von hier der zweite Fremde genau denſelben Weg einſchlug, den der erſte genommen, nur daß er, ſtatt direkt an die Thüre des Wohn⸗ zimmers zu klopfen, den Klingelzug in Bewegung ſetzte und dann einem Diener, der erſchien, ſeine Karte übergab, um ſich auf dieſe Art anmelden zu laſſen. Gleich darauf wurde die Thüre des Zim⸗ mers, in welchem wir ſo eben noch waren, geöffnet und der Fremde
trat ein.
So verſchieden das Aeußere der beiden Leute auch war, die hier nach einander ihren Beſuch machten, ſo verſchieden war auch die Aufnahme, welche Beide fanden.
„Ah, Herr von Felſing,“ ſagte der alte Herr, indem er ſein Sammetkäppchen wie grüßend von einer Seite auf die andere ſchob, „Sie kommen doch noch hieher? Hat Sie denn der Inhalt meines Schreibens nicht entmuthigt?“
„Erlauben Sie mir vorher, Ihnen meinen beſten Dank dafür zu ſagen, daß Sie meinen Brief überhaupt beantworteten,“ gab der


