Teil eines Werkes 
49. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Fürſt und Kavalier. 29

Mein Diener wartet auf mich in der Reſtauration neben dem Schloſſe, ich habe mir dort ein kleines Diner beſtellt, bei dem Du wohl mithalten könnteſt, alter Freund.

Um dort geſehen zu werden, und ſo aller Welt zu ſagen, daß

Sie mit mir verkehrt, ehe Sie nach Warneck abreisten? Bleiben Sie mir dies kleine Diner ſchuldig bis zu Ihrer Rückkunft, und erlauben Sie mir dann für Ihre Aufheiterung das Nöthige beizu⸗ tragen.. Du biſt unverbeſſerlich, ein förmlicher Unglücksrabe; aber gut, das Diner bleibe ich Dir ſchuldig und hoffe zu Gott, daß Du alsdann ſo ehrlich ſein wirſt, Dein begangenes Unrecht einzuſehen und nun lebe wohl!

Geleite Sie der Himmel, gnädiger Herr, und das gute Glück Ihres Hauſes!

In der Reſtauration war der Fremde in dem grauen leinenen Anzuge unterdeſſen ſehr raſch mit ſeinem Beefſteak fertig geworden, doch ſchien dieſes kein Meiſterſtück der Kochkunſt geweſen zu ſein, denn er murmelte ein paarmal halblaut und verdrießlich vor ſich hin, und als er ſpäter dem Kellner aus einer ziemlich mageren Börſe die ziemlich ſtarke Rechnung bezahlte, ſagte er ihm in ſcharfem Tone:ich finde, daß das eine faſt lächerliche Forderung iſt für ein Stückchen gebratenes Sohlenleder und für einen Schoppen Eſſig, dem Sie die Keckheit haben den Namen Wein beizulegen, worauf der Kellner mit der weißen Halsbinde nur ein gemüthliches Lächeln zur Antwort gab und ſich raſch dem Tiſche zuwandte, wo ſehr elegante Vorbereitungen zu dem von dem Andern beſtellten kleinen Diner getroffen wurden.

Auch der Fremde, ehe er hinausging, blickte nach jenem Tiſche hin, und es war, als ſtiege ein leichter Seufzer in ſeiner Bruſt auf. Dann ſetzte er ſeine Reiſemütze auf und verließ das Lokal, vor dem er den Packträger, den er von der Eiſenbahn mitgenommen,

ſchlafend auf ſeinem Koffer fand.