Teil eines Werkes 
49. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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28 Fürſt und Kavalier.

Sie könnten noch eine kleine Strecke die Eiſenbahn benützen, aber Sie würden nicht viel Zeit gewinnen und fänden dort, wo Sie die Bahn verlaſſen müßten, nur ſehr mangelhafte Gelegenheit, weiter zu kommen, deßhalb rathe ich Ihnen, von hier Extrapoſt zu nehmen. Haben Eure Hoheit Dienerſchaft bei ſich? 4

Einen einzigen Diener.

Das iſt ſchon genug für einen armen Maler, ſagte lächelnd der alte Herr,würde das nicht Argwohn erregen?

Gewiß nicht, denn ich ſpielte in Rom nicht die Rolle des armen Künſtlers, ich war ein Mann von ziemlichen Mitteln, der zu ſeinem Vergnügen Italien bereiste.

Alſo Sie fahren von hier nach Warneck und werden mir wohl erlauben, daß ich Ihnen dazu eine leichte Kaleſche offerire; auch das wird Ihrem Inkognito keinen Eintrag thun, man fährt

äußerſt ſchlecht mit den Poſtgelegenheiten.

Das nehme ich mit großem Vergnügen an.

Sowie zwei Zeilen an eine anſcheinend unbedeutende Perſön⸗ lichkeit, die Ihnen aber von großem Nutzen ſein könnte.

Wer iſt die Dame? frug der junge Mann lachend.

Sagte ich, daß es eine Dame ſei?

Nein, aber ich denke es mir. 3

Getroffen, gnädiger Herr, ich ſchreibe nur wenige Zeilen an die Kammerfrau der Prinzeſſin.

Allen Reſpekt vor dieſem Empfehlungsſchreiben, ſolch' gewich⸗ tiges beſitze ich freilich noch nicht.

Während ſich der alte Herr an den Schreibtiſch ſetzte und raſch einige Zeilen auf's Papier warf, trat der Andere wieder an's Fenſter und blickte in einen kleinen, ſtillen Hof hinab, wo helles Licht der brütenden Sonne und tiefdunkler Schatien ſtill und unbeweglich neben einander ruhten.

So, hier iſt mein Schreiben und wohin darf ich Ihnen den Wagen ſchicken?

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