Teil eines Werkes 
49. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Fürſt und Kavalier. 27

in meiner Lage und in meinen Jahren, wandte er ſich raſch fragend in's Zimmer hinein,vielleicht ſchärfer geſehen und mehr entdeckt?

Ich glaube kaum, ſagte der Andere in ernſtem Tone,aber ich hätte es einem alten Freunde Dank gewußt, wenn er mir die Augen geöffnet.

Und meinſt Du, ich danke Dir nicht von Herzen, meinſt Du nicht, ich würde jedes Deiner Worte ſorgfältig behalten, um dadurch ſo vortrefflich gerüſtet draußen erſcheinen zu können, daß ich mit friſchem Herzen und offenem Auge einen Kampf wohl wagen kann, einen Kampf, bei dem es ja meine ganze Exiſtenz gilt; laß mich mit mir darüber einig werden, wie ich mich einführen will. Hie⸗ bei, meine ich, ſollte der Augenblrck den Ausſchlag geben. Und nun will ich Dich verlaſſen, alter Freund, ohne weiter zu forſchen und zu fragen, denn ich fürchte wahrhaftig, wenn Du mich noch längere Zeit bearbeiteſt, ſo kehre ich am Ende mit tief verletztem Herzen nach Hauſe zurück und werde ein Menſchenfeind, wozu ich bis jetzt noch nicht die geringſte Anlage hatte.

Es wäre am Ende das Beſte, gnädiger Herr; die Zeit lindert Alles.

Weißt Du wohl, daß Du ein ſchlechter Diener Deines Hauſes biſt? rief der junge Mann mit komiſchem Ernſte, indem er die beiden Hände ſeines alten Freundes ergriff und derb ſchüttelte,Du ſollteſt beſſer für Deine Prinzeſſin ſorgen, denn es gibt wenig ſo gute Partien als ich bin.

Gerade deßhalb, und weil ich vor allen Dingen Ihr Glück begründen möchte, ſprach ich wie ich that, aber im Grunde, gnädiger Herr, haben Sie Recht, ſelbſt zu ſehen und ſelbſt zu prüfen; gebe Gott, daß man ſich Ihnen in ſeiner ganzen liebenswürdigen Natür⸗ lichkeit zeigt.

Ja, ja, ich will hin und ſogleich, für alle Fälle bin ich ſelbſt⸗ redend mit gewichtigen Schreiben an die bedeutendſten Perſonen ver⸗ ſehen; wie weit habe ich von hier noch zu fahren?