Teil eines Werkes 
49. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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26 Fürſt und Kavalier.

unterricht zu geben o, Zeichnungsunterricht zu ertheilen, iſt eine ſchöne und gefährliche Sache.

Sie wollen vielleicht eine kleine, etwas veränderte Taſſo⸗ komödie ſpielen, aber mit ſchlimmerem Ausgange, dafür ſtehe ich Ihnen ein.

Und wenn ich das wollte? erwiederte der junge Mann mit leuchtenden Blicken,müßte der Ausgang nicht befriedigender ſein, würde ſie mich nicht verſtehen, wenn ich ihr am Schluſſe der ge⸗ ſpielten Komödie meine Liebe geſtände und zu ihr ſpräche: Das habe ich gethan, um Sie kennen zu lernen, und jetzt, wo ich Sie

kennen gelernt, warte ich nur auf Ihr Wort, das mich zum glück⸗ lichſten aller Menſchen machen ſoll.

Und Sie glauben, darauf hin würde ſie ſich beeilen, dieß Wort zu ſprechen?

Davon bin ich überzeugt.

Ich nicht, gnädiger Herr, vielmehr hege ich die Befürchtung, ſie möchte ſich mit einer ſehr zeremoniöſen Verbeugung von Ihnen abwenden und vielleicht ſagen: Saleck war mir lieber, leben Sie wohl und glücklich.

Das wäre ein förmlicher Korb.

Und nicht der erſte, den die Prinzeſſin austheilt.

Aber was bezweckt ſie damit!

Das weiß ſie vielleicht ſelber nicht, ſie handelt wie ein ver⸗ zogenes Kind nach der Eingebung des Augenblicks, nach ihren Launen, die vielleicht hundertmal im Tage wechſeln. Haben Sie denn der⸗ gleichen nie bemerkt?

Der junge Mann war an's Fenſter getreten und blickte nach⸗ denklich hinaus. Nach einer ziemlich langen Pauſe ſagte er kopf⸗ ſchüttelnd:Mein Blick ihr gegenüber iſt wohl nicht frei genug ge⸗ weſen, um derartiges zu bemerken, auch habe ich vielleicht kleine Launen für liebenswürdigen Muthwillen gehalten raſch wech⸗ ſelnde Stimmungen für Beweglichkeit ihres Geiſtes. Hätteſt Du