24 Fürſt und Kavalier.
„Das iſt ſie, doch das Letztere nur, wenn ſie ſich vorgenommen hat, zu irgend einem Zwecke ihre brillante Seite zu zeigen, von Herzen iſt ſie es nicht; überhaupt, um ehrlich zu ſein, das, was wir Herz, was wir Gemüth nennen, hat ſie nicht, und würde es ſogar lächerlich finden, wenn man dieſe ſchönen Eigenſchaften bei ihr vor⸗ ausſetzen würde. Glauben Sie mir, gnädiger Herr, bei der Treue und Anhänglichkeit, die ich ſtets für Sie und Ihr Haus bewahrt, eine Verbindung mit Prinzeſſin Helene wäre nicht im Stande, das Glück ihres Lebens zu begründen.“
„Du zertrümmerſt mit kecker Hand meine Hoffnungen,“ er⸗ wiederte der junge Mann in düſterem Tone,„Du wirfſt ein glänzen⸗ des Gebäude nieder, an dem ich monatelang liebend und beglückt gebaut, das ich mit einer bisher unbekannten Seligkeit wachſen ſah, das ſich ſtolz und herrlich vor mir erhob, und das ich nun mit wenigen Schritten zu erreichen hoffte— ſollte mein glücklicher Traum nun wirklich ſein Ende erreicht haben? Nein, nein, ich kann es nicht glauben, Du biſt alt geworden, mein lieber guter Freund, grämlich, verdrießlich, Du verſtehſt ihn nicht mehr, den ſprudelnden, vielleicht muthwilligen Geiſt junger Leute, Du haſt ihr Unrecht ge⸗ than, Deiner ſchönen Prinzeſſin— ſieh' mir in die Augen und geſtehe mir das,“ er hatte ſeine beiden Hände auf die Schulter des alten Mannes gelegt und blickte ihn forſchend und treuherzig an; „ihr lebhaftes Weſen hat Dich, den ernſten Mann, durch irgend
etwas gekränkt, verletzt— ſchüttle nicht mit dem Kopfe— ſage mir
ein gutes und freundliches Wort über ſie, ich bitte Dich herzlich darum— denn, um ehrlich zu reden„“ fuhr er nach einer kleinen Pauſe fort, während er die Hände von den Schultern des alten Mannes herabgleiten ließ und von ſich abſtreckte,„ich bin einmal ſo weit gekommen, nur das Gute von jenem Weſen glauben zu wollen, das ich mit aller Kraft meines Herzens liebe.“
„O wäre es mir möglich, dazu Amen zu ſagen,“ gab der alte Mann mit einem ernſten Blicke zur Antwort.


