Teil eines Werkes 
49. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Fürſt und Kavalier.

ich verſtehe Deine Ausrufungen nicht, noch viel weniger aber den Ton des Bedauerns, mit dem Du ſie vorbringſt. Du kennſt alſo die Dame, die ich meine?

Gewiß, gnädiger Herr; ſowie Sie von Ihrem Zuſammen⸗ treffen in Rom ſprachen, nachdem Sie vorher geſagt, es handle ſich um eine deutſche fürſtliche Familie, die dort den Winter zugebracht, beſonders aber, als Sie von den dunkeln, allerdings ſehr ſchönen Augen ſprachen.

Weiter denn! weiter!

Verzeihen Sie mir, gnädiger Herr, erwiederte der alte Mann mit einem betrübten Geſichtsausdrucke,wie hätte ich bei Ihrer begeiſterten Schilderung eines weiblichen Weſens, das ſo alle Vor⸗ züge in ſich vereinigen ſollte, an Prinzeſſin Helene denken ſollen, an unſere Prinzeſſin Helene, die ich allerdings genau kenne, ſo genau kenne, daß ſie mir am allerwenigſten bei dem entworfenen Bilde eingefallen wäre.

Und warum? wenn ich fragen darf, frug der Andere in etwas ſcharfem Tone, während eine tiefe Röthe ihm über ſeine plötz⸗ lich ſehr ernſt gewordenen Züge flog.

O gnädiger Herr, es iſt ſehr peinlich für mich, Ihnen darauf mit der Ehrlichkeit und Offenheit, die Sie an mir gewohnt ſind, antworten zu müſſen.

Ich wünſche es aber und werde Dir Dank dafür wiſſen. 4

Der alte Mann hatte ſich aus ſeinem Stuhle erhoben, ohne daß es der Andere, wie er früher gethan, gehindert hätte, vielmehr war der Letztere einen Schritt zurückgetreten und hatte wie er⸗ wartungsvoll ſeine Arme über einander geſchlagen.

Ja, ja, es iſt Prinzeſſin Helene, die Sie geſehen, die einzige Tochter unſeres regierenden Herrn; ſie hat es durchgeſetzt, im ver⸗ gangenen Winter ein paar Monate in Rom zubringen zu dürfen, unter dem Schutze ihrer Tante, der Herzogin Sophie, und begleitet von ihrem Oberſthofmeiſter und ihrer Oberſthofmeiſterin, dem

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