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20 Fürſt und Kavalier.
den herrlichen, unvergleichlichen Kunſtſammlungen deſſelben ver⸗ brachte; ich ſtand einmal wieder in tiefem Anſchauen verſunken vor Raphael's Transfiguration, als ich neben mir eine weibliche Stimme in deutſcher Sprache ſagen hörte:„Ach, wer ſo glücklich wäre, ein ſolches Bild zu beſitzen.“ So viel man nun in Rom in deutſcher Sprache um ſich herum reden hört, ſo wendet man ſich doch jedesmal unwillkürlich um, ſobald ein ſolcher Laut unſerer Heimat unſer Ohr trifft, auch muß ich geſtehen, daß es mich angenehm be⸗ rührte, einen ſolchen Wunſch ausſprechen zu hören, und zwar mit einem ſo herzlichen Tone, welcher unverkennbar anzeigte, daß dieſer Wunſch aus tiefſter Seele kam.
„Ich ſchaute alſo um, und da die Sprecherin ziemlich in meiner Nähe ſtand, auch ihre Blicke gewiß unwillkürlich meine Augen trafen, ſo zog ich ſelbſtredend meinen Hut und grüßte die Fremde, dabei will ich Dir nicht verhehlen, alter Freund, daß mich der Blick aus dieſen tiefdunkeln Augen wunderbar traf.“
„Ja, tiefdunkle Augen,“ ſprach der Andere wie vor ſich hin, wobei er eigenthümlich lächelnd mit dem Kopfe nickte, und wie mit ſich ſelbſtredend fortfuhr:„Und dazu das reiche hellblonde Haar, ein ſeltener Kontraſt, aber auffallend ſchön.“
„Habe ich das geſagt?“ fuhr der junge Mann erſtaunt auf.
„Nein, ich habe es mir nur gedacht— o, ich ſehe die junge Dame deutlich vor mir, der es gelang, Ihr Herz zu bewegen; ſie war begleitet von einer ältlichen, ziemlich ſtarken Dame, und einem großen Herrn mit ſtruppigem, grauem Haar, und einem faſt drohend auseinander geſtrichenen Schnurrbart.“
Der junge Mann hatte dieſe Worte mit dem höchſten Erſtaunen vernommen und ſagte im Tone ungewöhnlicher Ueberraſchung:„Was ſoll das, alter Freund? Ich will Dir ein Geheimniß erzählen, und Du berichteſt mir darüber, als ſeieſt Du ſchon im vollkommenen Beſitze deſſelben.“ 3 „So iſt es auch,“ entgegnete der Andere mit größter Ruhe,


