Fürſt und Kavalier. 19
den Karneval genoſſen und uns auf einer Unzahl von Bällen herr⸗ lich amüſirt.“
„Alſo doch in Rom,“ ſagte der alte Herr kopfſchüttelnd mit beſorgter Miene,„was daraus werden ſoll, darauf bin ich be⸗ gierig.“
„Ich hörte ſchon öfter von Standesgenoſſen, die ſich ebenfalls in Rom aufhielten, von ein paar Mitgliedern einer deutſchen fürſt⸗ lichen Familie, und Du kannſt Dir denken, daß ich gerade nicht Luſt hatte, das im Auslande wiederzufinden, was ich zu Hauſe verlaſſen— Formen und Etikette. Wer ich war, wußte Niemand, hatte ich mir doch durch meinen beſtändigen Umgang mit den ver⸗ ſchiedenſten Künſtlern, und indem ich ſelbſt als ſolcher auftrat, ein vortreffliches Inkognito geſchaffen— Arthur von Saleck war ein junger Landſchafter mit den beſten Empfehlungsbriefen, mit einem großen Kredit auf Torlonia, und wegen alles deſſen, und ich darf wohl mit einigem Stolze hinzuſetzen, auch wegen ſeiner Perſönlich⸗ keit in allen Kreiſen der Geſellſchaft gerne geſehen— o, das war eine glückliche Zeit,“ ſetzte er tiefathmend hinzu,„ſolch' ein freies, ungebundenes Leben, ferne von allem Zwang, nur mit geſcheuten Leuten umgehen zu dürfen, denn mit anderen ließ ich mich gar nicht ein, und dabei der göttlichen Kunſt zu leben— ja vollkommen zu leben, denn denke Dir, alter Freund,“ ſetzte er lachend hinzu, „daß ich nicht nur Aquarelle malte, ſondern auch welche verkaufte; ich glaube, wenn ich fleißiger geweſen wäre, ſo hätte ich davon leben können.“
Bei dieſen Worten zeigte ſich ein eigenthümliches Lächeln auf den Zügen des alten Herrn, doch verſchwand es gleich wieder unter einem forſchenden Blicke, mit dem er ſagte:„Und dann?“
„Ah, Du fängſt an neugierig zu werden; es iſt aber auch der
Mühe werth— ſehr intereſſant, wenn auch nicht gerade ungewöhn⸗
lich: mich ereilte mein Schickſal im Vatikan. Es war eine der vielen Stunden, die ich in Rom während meines Aufenthaltes in


