Fürſt und Kavalier. 17
„Bei Gott! Du haſt wie immer prächtig zwiſchen den Zeilen geleſen. Ich, ich glaube ein Herz gefunden zu haben, das im Stande iſt, mich vollkommen glücklich zu machen, das Herz eines jungen, reizenden Mädchens, die alle geiſtigen und körperlichen Vorzüge zu beſitzen ſcheint, welche man in einem einzigen Weſen zu finden nur je hoffen kann.“
„Wir gehen im Galopp, gnädiger Herr,“ ſagte der alte Mann mit einem feinen Lächeln auf den Lippen.
„Natürlich gehen wir ſo, wenn wir erregt ſind— nun höre, wo ich ſie ſah, die dieſes Herz ſo gewaltig berührt, und welche ich mein nennen muß.“
„Darf ich mir vorher die Frage erlauben, wie dieſes ‚mein“ zu verſtehen iſt?“
„Auf die loyalſte Art von der Welt; man will ja, ich ſolle mich verheiraten; nun gut, ich bin entſchloſſen dazu.“
„Ei der Tauſend,“ gab der alte Mann zur Antwort, indem er bedächtig ſein Haupt hin und her wiegte,„ſo wären wir alſo einer Prinzeſſin begegnet?“
„So iſt's, alter Freund,“ rief der Andere jubelnd aus,„und unter uns geſagt, ich war ſelbſt auf's Höchſte überraſcht, daß eine Prinzeſſin mit dieſen Vorzügen des Geiſtes und Körpers eine ſolche Natürlichkeit, eine ſolche Wärme und Herzlichkeit vereinigen kann— o, es iſt ein Juwel von einer Prinzeſſin.“
„Kenne ich doch alle Damen unſerer regierenden Häuſer ſo genau, daß ich ſie mit Vor⸗ und Zunamen, mit dem Datum ihrer Geburt, ja ich kann wohl ſagen, mit all' ihren guten und ſchlim⸗ men Eigenſchaften an den Fingern herzählen kann, und habe doch keine Ahnung davon, welche Sie, geehrter Herr, eigentlich meinen mögen.“
„Sieh', darüber kann ich mich kindiſch freuen,“ rief der Andere mit leuchtenden Augen,„daß Du, der freilich Alles in dieſer Rich⸗ tung und in noch viel anderer Richtung weiß, keine Ahmung davon
Hackländer'’s Werke. 49. Bd.


