Fürſt und Kavalier.
ſchaute den Eintretenden mit jenem zweifelhaften Lächeln an, welches uns deutlich ſagt, daß wir nicht erkannt werden.
Einen Augenblick blieb der Fremde an der Thüre ſtehen, und man las in ſeinen Geſichtszügen, daß er ſich offenbar auf die Ueber⸗ raſchung freute, welche ſein Erkanntwerden bei dem alten Herrn verurſachen würde.
Und ſo war es auch, als er nun näher trat, den alten Herrn ſanft auf ſeinen Seſſel niederdrückte und ihm ſagte:„Habe ich mich denn ſo verändert, daß mich mein guter, lieber Freund nicht wieder erkennt?“
Jetzt wäre aber der alſo Angeredete in der That ganz in die Höhe gefahren, wenn ihn die Hand des Andern nicht auf jenem Stuhle niedergehalten hätte.
„Eure Hoheit,“ ſtotterte er,„dieſe Ueberraſchung.“
„Still, Alter! Hier iſt von keiner Hoheit die Rede, hier kommt ein guter Freund zum andern, um in aller Kürze über etwas Vergangenheit und Zukunft zu plaudern. Du hatteſt keine Ahnung davon, daß ich es wäre, der ſich bei Dir anmelden ließ?“
Der alte Mann in dem Lehnſtuhle hatte ein ſehr geſcheutes Ge⸗ ſicht mit ſehr klugen Augen, die er jetzt mit einem lächelnden Aus⸗ drucke gegen den Eingetretenen wandte und hierauf ſagte:„Wenn Sie mich mit aller Gewalt auf meinem Stuhle feſthalten wollen, ſo er⸗ lauben Sie mir wenigſtens, vorher einen andern Stuhl herbeizu⸗ ziehen; denn Sie ſtehend, ich ſitzend, das benimmt mir in der That alle Ungezwungenheit, die Sie ja immer von mir verlangt haben.“
„Gut alſo, ſetzen wir uns. Und nun, was haſt Du über den Inhalt meines Briefes gedacht?“
„Soll ich ehrlich und aufrichtig reden?“
„Ehrlich und aufrichtig, wie ich es ſtets an Dir gewohnt war.“
„Nun denn, der Inhalt des Briefes hat mich beziehungsweiſe recht gefreut: er kam aus einem vollen, warmen Herzen; er zeigte mir, daß dieſes Herz, Ihr Herz, gnädiger Herr, ein anderes ge⸗ funden hat.“
—


