Teil eines Werkes 
49. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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14 Fürſt und Kavalier.

Nein, Du ſollſt ihm nur ſagen, ein Bekannter wünſche ihn zu ſehen; aber ehe Du gehſt, rufe den Kellner.

Der Diener, um dieſem Befehle Folge zu leiſten, näherte ſich der Klingelſchnur; doch hatte er ſie kaum angefaßt, als der, den er rufen wollte, in das Lokal trat, ſeine Schüſſel mit Beefſteak und Kartoffeln mit ſolcher Gleichgültigkeit in der Hand balancirend, daß es ein Wunder war, Beides nicht auf dem Boden, anſtatt auf dem Tiſche ſervirt zu ſehen. Auch konnte man das Hinſchieben vor den Gaſt kein Serviren nennen, ja der Kellner mit der weißen Hals⸗ binde, als er nun noch die verlangte halbe Flaſche Wein aufſtellte, hatte den Mund geſpitzt und ſchien große Luſt zu haben, irgend eine Lieblingsarie zu pfeifen.

Der Diener des zuletzt angekommenen Fremden machte eine Handbewegung gegen ſeinen Herrn, worauf der Kellner dieſen nur eine Sekunde betrachtet hatte, um ſein ſpitzes Maul in breite, ver⸗ gnügte Falten zu legen; ja, er rieb ſich die Hände und machte ſo⸗

gar den Anfang einer Verbeugung, während er ſich nach den Be⸗

fehlen des neuen Gaſtes erkundigte.

Ich möchte ein kleines Frühſtück zu mir nehmen, ſagte dieſer, eine leichte Platte Fiſch, irgend einen Braten, etwas Geflügel und Salat; laſſen Sie mir dazu eine Flaſche Champagner in Eis ſtellen; ich gebe Ihnen etwa eine Stunde Zeit.

Die Verbeugung des Kellners vervollſtändigte ſich zu einem tiefen Bückling, worauf er hinauseilte, nicht ohne noch einen gering⸗ ſchätzenden Blick auf den zuerſt angekommenen Fremden geworfen

zu haben, welcher trotz ſeiner vortrefflichen Zähne einige Mühe mit.

dem Beefſteak zu haben ſchien.

Der Diener war verſchwunden, nachdem er ſeinem Herrn einen leichten Spazierſtock ehrerbietig überreicht; Letzterer folgte mit lang⸗ ſamen Schritten, anſcheinend ohne große Eile; er ſchlenderte einige Male unter der Kolonnade vor dem Reſtaurationslokale auf und ab, betrat den weiten Platz, welcher dieſes von dem Schloſſe trennte,