Teil eines Werkes 
49. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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12 Fürſt und Kavalier.

ein Beefſteak mit Kartoffeln, ſowie eine halbe Flaſche gewöhnlichen Tiſchweins, ein Auftrag, den der Kellner mit keiner großen Be⸗ friedigung entgegenzunehmen ſchien, vielmehr zuckte ein verächtliches Lächeln über ſeine Züge, als er die Speiſekarte mit einer leichten Handbewegung auf den Tiſch warf, den Kopf hoch erhob, und hierauf äußerſt langſam, aber ſehr geziert gehend, das Lokal verließ.

Dem Fremden war dieß übrigens nicht entgangen, und er ſteckte ſeine Hände in die Taſchen ſeiner Beinkleider, vor ſich hin⸗ brummend:Ekelhafte Geſchöpfe, dieſe Kellner; thut ſo ein Kerl nicht, als begehrte ich ein Almoſen von ihm.

Mochte es nun eine Forjſetzung dieſes Gedankens ſein, was ihn veranlaßte, die Blicke an ſeiner Geſtalt hinunterlaufen zu laſſen, und mochte er mit dem, was er ſah, nicht gänzlich zufrieden ſein, genug, er ſtrich ſeufzend mit der rechten Hand über ſeine hohe Stirne und vergrub darauf die Finger in ſein dichtes dunkles Haar, wo er ſie einen Augenblick ruhen ließ.

Wir haben ſchon früher geſagt, daß dieſer Reiſende beſcheiden in einen grauen Anzug gekleidet war, und allerdings war dieſer Anzug ſehr beſcheiden zu nennen; er beſtand aus einem dünnen lei⸗ nenen Stoffe, war ſchon etwas abgetragen und hatte auch nichts mehr von der Friſche des Waſch⸗ und Bügelzimmers. Doch wer nimmt das ſo genau auf der Reiſe und an einem heißen Julitage. Seine Reiſemütze war ebenfalls alt und abgeſchaben; von Wäſche ſah man nicht viel, da er den Rock unter dem Halſe zugeknöpft trug, und wenn dieß Alles nicht gerade zum Vortheil ſeines Aeußern ſpricht, ſo müſſen wir dagegen ſagen, daß ſeine Handſchuhe, die er jetzt auszog und in die Mütze warf, wohl alt, aber ſonſt ohne Tadel waren, und daß der Schnitt ſeiner Halbſtiefel ſogar auf Eleganz Anſpruch machen konnte, zwei wichtige Theile ſeines Anzugs, die uns, zuſammengenommen mit der Haltung des Fremden, ſowie mit ſeinem ernſten, durchaus nicht gewöhnlichen Geſichte zu dem Schluſſe