Fürſt und Kavalier. 11
„Erlauben Sie,“ rief eine tiefe Stimme aus dem Haufen, „man könnte wahrhaftig mit unſeren Sachen etwas ſchonender um⸗ gehen, Sie zerquetſchen mir ja förmlich meinen Koffer, dort ſteht er, und hier iſt meine Nummer.“
Der Beamte nahm achſelzuckend das Stückchen Papier, worauf der, welcher ſoeben geſprochen, ſeinen kleinen Koffer anfaßte und mit einem tüchtigen Rucke zwiſchen den andern Gepäckſtücken her⸗ vorholte. Es war dieß ebenfalls ein junger Mann in einem be⸗ ſcheidenen grauen Reiſeanzuge, welcher ſich nun mit ſeinem Koffer, einem kleinen Nachtſacke, einer Hutſchachtel und einem Regenſchirm⸗ futteral beladen durch die Reihen drängte, und erſt, als er ſich aus der Menſchenmenge herausgearbeitet hatte, ſeine Reiſeeffekten bis auf den Nachtſack, den er in der Hand behielt, einem Packträger einhändigte.
„In welchen Gaſthof ſoll ich die Sachen bringen?“ worauf der Andere kurz zur Antwort gab:„Ich brauche keinen Gaſthof, da ich in Kurzem weiterreiſe.“
„Mit der Eiſenbahn?“ 5
„Nein, mit der Poſt oder mit ſonſt einer Gelegenheit. Führen Sie mich in eine Reſtauration in der Nähe des Schloſſes, wo ich zu Mittag eſſen kann.“.
Darauf gingen die Beiden miteinander fort und trafen bald in jener Reſtauration ein, von der wir oben geſprochen, wo der Kellner im ſchwarzen Fracke mit der weißen Halsbinde an der Thüre lungerte und jetzt mit ſichtbarem Widerwillen den Fremden in das Lokal führte, um ihm die verlangte Speiſekarte vorzulegen.
Der Fremde ſah ziemlich verdrießlich aus und ſchaute in dem hübſch eingerichteten Reſtaurationszimmer ein paar Sekunden um⸗ her, ehe er einen kühlen Platz in irgend einer Ecke paſſend zu finden ſchien, wo er ſich niederließ und darauf die Beine behaglich von ſich ſtreckte. Den Gepäckträger ließ er mit ſeinen Sachen draußen warten, dann durchflog er flüchtig die Speiſekarte und beſtellte ſich


