Teil eines Werkes 
49. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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mit nicht ſelten in unſanfte Berührung mit den umſtehenden Reiſenden.

10 Fürſt und Kavalier.

durch deſſen Haltung und Treiben allerlei Nüancen gemacht wur⸗ den; denn während derſelbe dort in vollem Koſtüme ſich befand, mit dem galonirten Hute auf dem Kopfe, den ſilberbeſchlagenen Stab in der Hand, um ſo anzuzeigen, daß die Würde des Hauſes dieſelbe bleibe, ſei die Herrſchaft nun anweſend oder nicht, lehnte ſein Kollege gegenüber ſo einfach gekleidet, wie nur immer möglich, neben der verſchloſſenen Thüre, harmlos einige hungrige Sperlinge fütternd, um durch dieſes beſcheidene Auftreten anzuzeigen, daß mit dem Gebieter des Palaſtes auch der Glanz und Schimmer deſſelben davongegangen ſei. 3 Es war, wie ſchon bemerkt, an einem heißen Julitage, und zwar um die Mittagsſtunde deſſelben, als ein Schnellzug der Eiſen⸗ bahn die Reſidenz erreichte und die ſtaubigen und müden Neiſenden die Wägen eilig verließen, um bei den Gepäckwägen mühſam ihrer Koffer habhaft zu werden. Da ſtanden ſie um die aufgerichteten Schranken, ihre Gepäckſcheine in der Hand, mit ungeduldigen Blicken nach dem weitgeöffneten Wagen ſchauend, und jetzt durch einen raſchen Blick oder ein Zeichen der Ungeduld verrathend, daß ihr Eigenthum ſoeben herausgeworfen worden war. Es iſt das bei ſolchen Veranlaſſungen ein höchſt unangenehmes Gedränge, und wer nicht gerade ſehr eilig hat, thut zur Schonung ſeiner Rippen und Hühneraugen beſſer daran, in Geduld zu warten, bis die Reihe

endlich an ihn kommt.

So machte es auch ein junger Mann, der in einfachem, aber elegantem Reiſeanzug nicht nur ſelbſt vom Gewühle entfernt blieb, ſondern auch ſeinen Diener, der, einiges Handgepäck haltend, neben ihm ſtand, mit den Worten:Warten wir einen Augenblick! da⸗ von abhielt, ſich in das Gedränge zu ſtürzen.

Und das war ſehr menſchenfreundlich von ihm und klug, denn dröhnend ſielen aus dem Gepäckwagen die rieſenhaften Koffer, wur⸗ den von den Laſtträgern unſanft bei Seite geſchoben, und kamen ſo⸗