Teil eines Werkes 
49. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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. Fürſt und Kavalier. 9 Fuß umkreiste, wo ſie ſonſt ſo gerne ihre Spaziergänge bis in die Mitte des Schloßhofes ausgedehnt hatte. 4

Ja der Hof war auf dem Lande, und obendrein drang in die breiten Straßen und Plätzchen um das Schloß eine drückende Juli⸗ ſonne, Oede und Stille herrſchte hier in dieſem bevorzugten Quar⸗ tier, denn, wie oben geſagt, es gab keine Geſellſchaft mehr in der Reſidenz.

Waren doch auch ſie, die Träger und Beſtandtheile dieſer Ge⸗ ſellſchaft, aus der Stadt verſchwunden, wenigſtens aus den Straßen derſelben, und wenn je noch einer dieſer Exkluſiven zurückgeblieben war, ſei es aus Mangel eines paſſenden Landaufenthaltes, aus Mangel eines Urlaubs oder wegen Mangels von noch Wichtigerem, ſo ſchämte er ſich doch, ſichtbar zu ſein, und hielt ſich im Schatten 8 ſeiner vier Wände, wie der ſtolze Hirſch im Dickicht des Waldes, O wenn er im Frühjahr ſein Geweih abgeworfen. Ja ſolche Macht

übte die Geſellſchaft auf ihre Mitglieder aus, daß ſie den gezwungen Zurückbleibenden befahl, ihre Lebensweiſe gänzlich zu ändern, wenn ſie ſelbſt, die Geſellſchaft, es für gut fand, nicht mehr in der Re⸗ ſidenz anweſend zu ſein. Und jetzt war die Geſellſchaft verſchwunden, verödet ihre Ge⸗ ſellſchafts⸗ und Vergnügungslokale, unbeſucht ihre Reſtaurants und Cafés, und dort, wo man noch vor Kurzem das Klappern der Kugeln auf den faſhionablen Billards gehört, ſowie das Klirren der Sporen und Säbel auf den Marmorplatten des Bodens, wo glänzende Toiletten die Räume füllten, war jetzt Alles trübſelig und leer, und der elegante Kellner im ſchwarzen Fracke und der weißen Halsbinde ſtand lungernd an der Thüre der Räume dieſer Auser⸗ wählten der Menſchheit und hielt es kaum der Mühe werth, einen Eintretenden geringſchätzend von der Seite zu betrachten. Die großen Häuſer in der Straße, welche das Schloß umgaben, ſchienen ſelbſtredend ebenſo verödet wie dieſes; nichts Lebendiges war 4. hier ſichtbar, als der betreffende Portier unter dem Einfahrtthore,