deutſcher bildender Künſtler. 237
die Einwohner einen guten Begriff bekamen von den deutſchen Künſt⸗ lern, die in Bingen zuſammengekommen, um wegen ihres guten Rech⸗ tes zu tagen.
Die Nachen, welche uns nach Aßmannshauſen gebracht, hatten ſich hier wieder eingefunden, und es war ſchon ganz dunkel geworden, als wir uns einſchifften, um ans andere Ufer zurückzukehren. Vorher war noch manches Glas Rüdesheimer verſucht worden, die Genoſſen munter und froh geſtimmt, und ſo war es denn leicht erklärlich, daß bald eine kräftige Stimme ein bekanntes Lied anhob, worein die An⸗ dern jubelnd einfielen. Daß es grade das Lied von der Lorley war, gab ſich, wie ich glaube, von ſelbſt, denn war es doch um uns her grade ſo, wie es der Fiſcherknabe geſehen, als er das Lied der ge⸗ fährlichen Schönen vernommen.
Die Luft iſt ſtill und es dunkelt Und ruhig fließet der Rhein, Der Gipfel des Berges funkelt Im Abendſonnenſchein.
Es war eine prächtige nächtliche Fahrt, und um der heitern Scene ihre Vollendung zu geben, fehlte nur noch Fackelſchein, der denn auch mit einemmale improviſirt wurde und darum um ſo gelun⸗ gener erſchien. Gott weiß, woher die Menge von Journalen und Zei⸗ tungen kamen, die nun plötzlich aus allen Rocktaſchen hervorgezogen, zuſammengedreht und angezündet wurden; ich glaube, um unſer Schiff loderten zuerſt die dunkelrothen Flammen, und dieſe phantaſtiſche Be⸗ leuchtung wurde von denen in den andern Nachen jubelnd bemerkt und nachgeahmt. So ſchwammen wir leuchtend und beſtrahlt im röthlichen Rheine, umtanzt von unzähligen Stücken halbverbrannten Papiers, das über Bord geworfen wurde, nach Bingen und erreichten das Ufer, als es hundertſtimmig, vielleicht nicht ohne Bedeutung, über den ſtil⸗ len Rhein hinüberſchallte:


