Zwei Nächte. 37
Kommt aber unſere Vorhut, die fortmarſchirt, noch frühzeitig genug hin, ſo kann es einen ziemlichen Kampf geben.“
„Ei was!“ ſagte unmuthig der Rittmeiſter,„Regen und Blut iſt ein großer Unterſchied; ich würde mir nichts daraus machen, mich die ganze Nacht herumzuhauen, aber hier zu liegen und ſich ſo lang⸗ ſam durchnäſſen zu laſſen, das hole der Teufel. Nun, wie Gott und Vater Radetzky will.“
„Amen!“ ſprach der Generalſtabsoffizier und ſetzte ſeinen Feder⸗ hut auf;„aber jetzt wollen wir reiten, es iſt mir immer, als hörte ich gegen Pizzeghettone zu Kanonendonner, es ſollte mich auch gar nicht wundern, wenn die Piemonteſen dort irgendwo eine ſchöne Maſſe Geſchütz aufführten, um das rechte Addaufer zu decken.“
„Ich glaube, was dahinten rollt, iſt himmliſcher Donner,“ ſagte der Chevauxleger und blickte nachdenklich an den Himmel, deſſen vor⸗ hin noch ſo klare blaue Farbe in außerordentlicher Geſchwindigkeit mit leichten grauen, einem Gewitter vorausjagenden Wolken bedeckt wurde.
„Adieu!— lebt wohl!— Auf glückliches Wiederſehen in Mai⸗ land!— T'ſchau!“
Graf S. und der Offizier vom Generalſtab ſchwangen ſich auf ihre Pferde und ritten in ſcharfem Trabe der Brücke zu, dann im Schritt über die knarrenden Pontons und auf dem rechten Ufer des Fluſſes trennten ſie ſich, denn der Generalſtäbler eilte zum erſten Armee⸗ korps, der Huſarenoffizier aber nach Formigara, wo der Feldmarſchall Radetzky ſein Hauptquartier aufgeſchlagen hatte.
Vier Jahre waren vergangen, ſeit der junge Huſarenofftzier nicht mehr in dieſe Gegend gekommen war. Nachdem er ſeine große Tour
nach Rom, Neapel, Paris und Wien beendigt, war er dorten als Ober⸗ lieutenant zu einem andern Huſarenregiment verſetzt worden und da verblieben, bis in der Lombardei der Krieg ausbrach, worauf er ſich zur Armee nach Italien meldete, und als guter Offizier und gewandter Reiter gern zum Ordonnanzoffizier ernannt wurde.


