Zwei Nächte. 35
dich hat man ja eine Ewigkeit nicht mehr geſehen. Weißt du noch, wo wir zuletzt und recht vergnügt beiſammen waren?“
„Ob ich's weiß?“ entgegnete Graf S.,„das war zu Mailand bei dem Abſchiedsdiner, das ihr mir gegeben, als ich nach Rom und Neapel ging.'s iſt merkwürdig,“ ſetzte er hinzu,„da ſind wir jetzt wieder hier beiſammen, beinahe all. die nämlichen Leute und mitten im Kriege, den wir damals ſo ſehnlich gewünſcht.“
„Ja, wahrhaftig!“ ſagte der Chevauxleger und erhob ſein Glas, „es fehlen nur zwei, unſer armer M. von eurem Regiment, der jetzt zu Mantua liegt, und unſer luſtiger Dragoner.“
„Letzterer,“ bemerkte der Generalſtabsoffizier,„iſt Galoppin bei d'Aſpre. Aber wie geht's dem armen M.?— Iſt er ſchwer ver⸗ wundet?“
„Er hat einen Stich in die Seite,“ ſagte der Huſarenrittmeiſter, „aber ſie hoffen ihn durchzubringen; trinken wir auf ſein Wohl.“ Alle erhoben die Gläſer und tranken mit herzlichem Wunſch auf die baldige Geneſung des verwundeten Kameraden.
„Damals und jetzt!“ ſprach Graf S., indem er ſich ein anderes Glas eingoß,„ſeitdem ſind nur vier Jahre verſtrichen und hat ſich Manches geändert, Manches zugetragen. Damals hatte ich eine ſchöne Zeit vor mir, eine herrliche, angenehme Zeit. Obgleich euer Wein hier nicht ſchlecht und die Salami zu genießen iſt, ſo wäre mir doch ein Diner wie damals lieber. Wir haben in den letzten Tagen ſehr wenig gehabt. Und damals meine bequeme Caleſche vor der Thür, eine ruhige Nacht, angenehm dahingeſtreckt zu durchfahren und heute der Sattel meines müden Pferdes, und die Ausſicht, während der Nacht mehrmals herausgetrommelt zu werden, denn was in der letzten Zeit für Depeſchen verſandt worden ſind, habt ihr gar keine Idee, und immer des Nachts. Es iſt gerade, als ſei es zum Beſten der Ordonnanzoffiziere ſo eingerichtet, daß die Anfragen ans Hauptquar⸗ tier immer in der Dämmerung kommen und während der Nacht be⸗ antwortet werden.“


