——
Zwei Nächte. 29
ſehen, wenn man den Blicken der ruhenden Soldaten folgte, die weni⸗ ger an der Geſchäftigkeit auf der Adda hingen, als an einem Hügel auf der Höhe des Uferrandes. Dort ſah man Offtziere aller Regi⸗ menter, von dorther kamen die Ordonnanzen, welche Befehle an das Ufer brachten, und dorthin gingen die Meldungen von den Offizieren des Genie⸗Corps drunten, ſowie von den Commandeuren der nach⸗ rückenden Truppen. Die Offiziere auf dem Hügel, meiſtens beritten, umgaben in einem großen Halbkreis einen kleinen Mann in der grauen Feldmarſchalls⸗Uniform, welcher den rechten Arm in die Seite geſtemmt hatte, während die Linke Säbel und Federhut hielt. Der kleine Mann, der vom Pferde abgeſtiegen war, blickte mit herrlichem, freundlichem Auge auf das Gewühl am Ufer und auf der Brücke bald einem Offi⸗ zier einige Worte ſagend, bald mit der Hand den Soldaten winkend, die jeden Blick des klaren, treuen Auges mit lautem Hurrah, Evviva und Eljen begrüßten. Der kleine Mann aber mit dem ſchneeweißen Haar und dem lieben Blick war Vater Radetzky, der die Piemonteſen von Poſition zu Poſition verjagt und jetzt in die Ebene der Lombar⸗ dei zurückkam, gewaltig und ſtrafend, und bei deſſen Annäherung Mai⸗ land zitterte, daß es ihn in einer fürchterlichen Nacht dieſes Jahres ſchwach geſehen.
Die Offiziere in der Suite des Feldmarſchalls gruppirten ſich auf verſchiedene Art; einige blickten mit Fernröhren über den Fluß hinüber, andere lehnten an ihren Pferden und unterhielten ſich von den vergangenen Tagen, und dem Willkommen, das man ihnen in Mai⸗ land bereiten werde.
Es mochte vier Uhr Nachmittags geworden ſein, da war die Brücke beendigt, und ein Hurrah, lauter und freudiger als alle früheren, ver⸗ kündigte es den Truppen. Der Feldmarſchall beſtieg ſein Pferd, Alles erhob ſich aus ſeiner Ruhe. Züge, Compagnien, Bataillone ordneten ſich ſchnell, die Ordonnanzen ſprengten nach allen Richtungen, und jeder Truppenkörper, ſowie er den Befehl erhielt, ſetzte ſich nach der Brücke zu in Bewegung. Es war ein großartiger, feierlicher Moment;


