Teil eines Werkes 
26. Bd. (1860) Werke
Entstehung
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Zwei Nächte. 23

mein ganzes junges Leben verdorben, denn Sie ſagen, es ſei ſchrecklich, heirathen zu müſſen, ohne geliebt zu haben.

Da wäre es alſo noch viel beſſer oder wenigſtens viel ſchöner geliebt zu haben ohne zu heirathen, ſagte der Offizier.

Schöner vielleicht, entgegnete das Mädchen, und hob die Augen empor, um ihn anzuſehen,ſchöner vielleicht wohl, aber nicht beſſer.

Jetzt trat in dieſem ſeltſamen Geſpräche eine Pauſe ein, in wel⸗ cher die Nachtigallen ſtärker und freudiger ſchmetterten und in welcher der junge Offizier die Höhe der Fenſterbrüſtung maß und bei ſich überlegte, ob es nicht möglich ſei, dort ohne viel Geräuſch hinein zu voltigiren. Doch ſchien die Italienerin ſeine Abſicht zu errathen, denn ſie deutete mit der Hand auf das Stallgebäude und ſagte:Macht kein Geräuſch, der alte Pietro hört Alles. Es iſt eigentlich nicht recht, daß ich mit Euch ſo lang am offenen Fenſter plaudere, aber ich weiß nicht, fuhr ſie fort und blickte ihn mit ihren glänzenden Augen voll an,ich plauder' wahrhaftig gern mit Euch.

Lieber als mit dem Poſthaltersſohn von Piazenza?

Viel lieber.

Dann würdet Ihr mich vielleicht auch lieber heirathen oder lieben? ſagte der Offizier und legte ſeine Hand auf ihren feinen weißen Arm.

Das Erſte geht nicht, ſagte das Mädchen lächelnd,weil Ihr ein Cavalier ſeid, und das Andere, wenn es ohne das Erſte ginge, geht doch nicht, weil ihr ja Morgen früh ſchon ſo viele, viele Mig⸗ lien von hier entfernt ſeid. 3

Wenn ich aber dabliebe?

Wie könnt Ihr dableiben? ſagt ſo etwas nicht, was Euch kein Ernſt iſt, und hier könntet Ihr auf keinen Fall bleiben, ſetzte ſie ſtockend hinzu,der Vater, der in zwei Stunden zurück ſein kann, würde Euch nach Lodi oder Piazenza weiſen. Bei dieſen Worten zog ſie ihren Arm zurück, bis ihre warme Hand in der des Offiziers lag.

Dann gab ſie nach, als er dieſelbe feſthielt.