Teil eines Werkes 
26. Bd. (1860) Werke
Entstehung
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Zwei Nächte.

Ihr war es ſeltſam zu Muthe. Es geſchah, was ſchon oft ge⸗ ſchehen iſt, daß zwei junge unverdorbene Weſen mit heißem Blut, die ſich zuvor nie ſahen, ſich plötzlich in einem Gefühl der Liebe zu ein⸗ ander befinden, daß ein Blick, ein leichtes Geſpräch zwei Herzen feſ⸗ ſelte, von denen vor einer Stunde noch keins gewußt, daß in der weiten Welt das andere ſchlage.

Durch den Körper des jungen achtzehnjährigen Offiziers ſtrömte es glühend und entzückend, und auch das Mädchen ließ ihm ihre zit⸗ ternde Hand, die er heftig an ſeine Lippen drückte. Auch die Nacht

mochte daran Schuld ſein, die ſtille, heilige, trauliche Nacht, der Duft der Blumen und vor Allem auch die Liebeslieder der Nachtigallen. O dieſe Nachtigallen! Wie glücklich bin ich, ſagte der Offizier,daß ich hieher kam, daß ich hier warten muß und daß ich dich ſah, Tereſina.. Mir iſt es auch lieb, entgegnete das Mädchen,ach ſo lieb, ich weiß nicht wie? Nur möcht' ich viel lieber weinen, als lachen. Dabei legte ſie den Kopf vorwärts auf ihren Arm und ihre Stirne auf ſeine Hand und er beugte ſich zu ihr nieder und drückte einen Kuß auf ihren ſchlanken Hals. Die drei jungen Leute waren in dieſem Augenblick ſo glücklich, der junge Reiſende, das junge Mädchen und der Bambino in ihrem Schooß; denn letzterem war es nach einigen verzweifelten Anſtrengungen endlich glücklich gelungen, die ſchwarzgelbe Schnur von der Feldmütze herunterzureißen, eine That, die er mit ver⸗ gnügtem Lachen ankündigte. Doch war dieſer Freudenausbruch nicht im Stande, die beiden Liebenden aufzuſtören. Er wandte ſauft ihren Kopf auf die Seite und drückte einen glühenden Kuß auf die brennende Stirn da tönte durch die Nacht der luſtige Klang eines Poſt⸗ yorns. Es iſt etwas Eigenthümliches um ſolch einen Ton, wenn Alles ringsum in tiefer Stille begraben liegt. Das Mädchen fuhr in die Höhe und horchte.Der Vater! rief

ſie erſchreckt,oder die Pferde von der kaiſerlichen Poſt. Adieu, mein