Teil eines Werkes 
26. Bd. (1860) Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Zwei Nächte.

Locken,oder der Schwiegerſohn, dabei hob ſie den Kopf kokett in die Höhe,ſoll, wenn er mag, die Wirthſchaft wieder anfangen und die Poſthalterei vergrößern. So, ſo, ſagte der Graf lächelnd,der Schwiegerſohn? So biſt du alſo ſchon verheirathet? Wer? Ich? lachte das Mädchen,Madonna, das iſt zum Lachen, geht mir weg, ich geheirathet? Ehe man heirathet, muß man zuerſt Jemand lieben, herzlich lieben, ſo ungefähr, wie ich das Bübchen liebe; aber mit Liebe lieben, und das habe ich noch nicht gethan.

Hat dir denn noch nie Jemand gefallen, Tereſina? Ich meine, ſo recht gefallen, um ihn mit Liebe lieben zu können? fragte der junge Mann.

Nein, Herr! entgegnete das Mädchen und lehnte den Arm auf die Fenſterbrüſtung, wodurch dem Bübchen die Ausſicht auf Feldmütze und Schnüre verdeckt wurde, weßhalb es laut aufſchrie, auch nicht eher beruhigt werden konnte, bis ihm die Feldmütze förmlich zum Spielzeug überantwortet wurde, zu welchem Ende der Offizier ge⸗ zwungen war, ſich ins Fenſter hineinzulehnen. Ihr Arm aber blieb auf der Fenſterbrüſtung und der Kopf neigte ſich vor, und ebenſo die

weißen Schultern und der Oberleib.

Wen meinen Sie denn eigentlich, fuhr der Graf S. fort,den ſich der Vater zum Schwiegerſohn ausſuchen wird, etwa einen aus Puſterlengo oder einen jungen Kaufherrn aus Lodi?

Nein, nein! ſagte das Mädchen plößzlich ernſt werdend,eher den Sohn des Poſthalters aus Piazenza, der iſt ſchon mehrere Male ohne allen Grund dageweſen und er ſcheint dem Vater nicht übel zu gefallen; mir aber ganz und gar nicht, ſetzte ſie ganz leiſe hinzu.

Iſt er nicht ſchön, nicht jung? fragte der Offizier lächelnd, und die Kleine antwortete leiſe und ſich ſcheu umſehend: 8Nein, gewiß nicht! aber er iſt bösartig und falſch und den

könnte ich nicht lieben und wenn ich ihn heirathen müßte, ſo wär