Zwei Nächte. 11
goldete,„allerdings, aber ihr hättet ja mit von der Partie ſein können, es war das ja eigentlich ſeit längerer Zeit ſchon abgeſprochen.“
„Ja wohl, ja wohl!“ ſeufzte der Andere,„aber: Was iſt das Leben ohn' Liebesglanz?“—
1„Und dieſer Liebesglanz,“ meinte der dritte Huſar,„hat deine
Wechſel vollkommen aufgezehrt.“
„Unſere Wechſel, wollteſt du ſagen!“ entgegnete der Andere, „denn dir, lieber Bruder, iſt es nicht beſſer gegangen; aber gibt es denn auch ein liebenswürdigeres, kleineres, tolleres Geſchöpf als Ju⸗ lietta? und ſo graziös, und eine ſo große Künſtlerin? Ach, daß ſie nicht Prima Ballerina iſt, daran iſt bei Gott nur ihre⸗Beſcheidenheit Schuld. Und wie mich das kleine Ding liebt! Kam ſie nicht, als von der gemeinſchaftlichen Reiſe die Rede war, ungeſchminkt auf die Bühne, bleich wie der perſonifizirte Jammer, ſo daß ſogar der alte Oberſt, der ihr ſo lange vergeblich nachgeſtiegen, zu mir ſagte: Aber können Sie bei dem Anblick ans Reiſen denken?“
„Und du dachteſt auch ferner nicht mehr daran,“ ſagte der Dra⸗ goneroffizier lachend und ließ eine blaue Wolke kerzengerade in die Höhe ſteigen:„du opferteſt fort und fort auf dem Altar deiner Göttin, bis—“
„Du ihr die famoſe Reiſe geopfert hatteſt,“ unterbrach ihn Graf S., worauf im Geſpräch eine kleine Pauſe eintrat„ während welcher die Kaffeetaſſen und Sporen klirrten, wenn einer trank oder die Füße in eine andere Lage brachte.
„Die Zeiten ſind aber auch gar zu langweilig,“ ſprach nach eini⸗ ger Zeit der Infanterieoffizier,„ein ewiges Friedens⸗ und Garniſons⸗
4 leben, Rekruten exerciren und mit der Wache aufziehen. Man iſt
wahrhaftig gezwungen, ſich eine andere Unterhaltung zu verſchaffen,
wenn man nicht geiſtig zu Grunde gehen will. Ich habe nun einmal für Tänzerinnen keine Leidenſchaft, und kein Geld, und muß mich ſchon mit einer anderen Dame behelfen, die weniger koſtbar und dos auch belohnend iſt— die Wiſſenſchaft.“
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