Teil eines Werkes 
25. Bd. (1860) Werke
Entstehung
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268 Familien⸗Concert.

geſchichte legen, und wenn ein weibliches Herz hierdurch nicht gerührt wird, ſo iſt es gar nicht zu rühren.

Ach, wenn du wärſt mein eigen,

Wie lieb ſollt'ſt du mir ſein,

Wie wollt ich tief im Herzen

Nur hegen dich allein.

So ſang Herr Strammer, und bei der letzten StropheNur hegen dich allein blickte er gegen die Zimmerdecke, um gleich dar⸗ auf alle Glut ſeiner Blicke, ja ſeine ganze Seele auf den geliebten Gegenſtand ausſtrömen zu laſſen, der kaum vier Schritte vor ihm ſaß.

Und alle Wonn' und alles Glück Mir ſchöpfen nur aus deinem Blick.

Leider aber ſchien der unglückliche Sänger weder Wonne noch Glück in dieſem Augenblick aus dem⸗Blick der Geliebten zu ſchöpfen. Fräulein A. hatte bei der Stelle

Wie wollt ich tief im Herzen Nur hegen dich allein,

ihren Blumenſtrauß fallen laſſen und der unternehmende Kavallerie⸗

offizier war mit einem zierlichen Schleifer auf den Blumenſtrauß los⸗ geſtürzt, hatte ihn ergriffen, und indem er ihn der Fräulein A. zurück⸗ gab, den Augenblick benutzt, um hinter den Stuhl derſelben zu manövriren. Er gab den Blumenſtrauß, ſie nahm ihn lächelnd an, und als der unglückliche Strammer ſang:

Und alle Wonn' und alles Glück

Mir ſchöpfen nur aus deinem Blick, hob Fräulein A. ihr Köpfchen in die Höhe, der Kavallerieoffizier ſenkte ſein Haupt herab, und der leiſe gelispelte Dank drang dem Sänger wie ein Dolchſtoß in's Herz und zog ihm den eiſernen Ring, von dem wir vorhin zu ſprechen die Ehre hatten, ſo feſt zuſammen, daß, als er wieder anſetzte

Ach, wenn du wärſt mein eigen, ſeine Kehle gar keinen Ton mehr von ſich gab, ſondern er nur gur⸗ gelte und quackste, was auf Amalie Zwicker, deren gebrochenes Herz