Teil eines Werkes 
25. Bd. (1860) Werke
Entstehung
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266 Familien⸗Concert.

Da die Regierungsräthin Zwicker nie eine Soirée ohne Souper gab, ſo war auch heute eins vorbereitet, ſollte aber erſt am Schluſſe des Concertes eingenommen werden. Doch hatte der fühlende Vater Zwicker im letzten Zimmer ſchon während der Pauſe einige Weinflaſchen aufſtellen laſſen und ſeinen Bekannten einen Wink gegeben, ſich dort für die zweite Abtheilung zu ſtärken. Viele machten von dieſer Freundlichkeit einen mäßigen Gebrauch, wie das denn auch ſelbſtredend war, nahmen ein Glas und entfernten ſich wieder. Dabei aber kön⸗ nen wir unmöglich verſchweigen, daß der Herr Volontär Schmelzing dieſes Weinzimmer häufiger als jeder andere betrat und ſich auch dort viel länger aufhielt als nothwendig geweſen. Um aber dem Gange unſerer Geſchichte nicht vorzugreifen, müſſen wir ſagen, daß er zu Anfang der zweiten Abtheilung wieder an der Porzellan⸗Etagere lehnte, daß Amalie zitterte, als ſie ſehen mußte, wie der treuloſe Strammer nur Blicke für Fräulein A. hatte, welche vor ihm auf einem der erſten Stühle ſaß, nicht weit von dem entſetzlichen Kavallerie⸗Lieutenant, der ein fades und ſchmachtendes Geſicht machte. So erſchien es näm⸗ lich dem unglücklichen Sänger. Alles hatte die früheren Plätze wieder eingenommen, ſelbſt die Regierungsräthin, nachdem ſie am Nebenzim⸗ mer gelauſcht und dort von ihren beiden Sprößlingen kein unanſtändiges Geräuſch vernommen. Die beiden Kinder ſpielten nach wie vor mit ihrer Waſchſchüſſel, die ſie durch Hinzuthun von weiterer Flüſſigkeit bis an den Rand gefüllt. 3

Bs 8 st! Bs 8 8 st! riefen die Kanzleibeamten und als Herr Strammer neben das Piano hintrat, war es wieder ziemlich ſtill im Salon und den angrenzenden Zimmern geworden; aber es war größtentheils nicht mehr die Stille eines aufmerkſamen und er⸗ wartungsvollen Publikums, es war die Stille der Ermattung, der Verzweiflung. 4

Herr Strammer ſtand alſo da, die linke Hand auf die Hüfte ge⸗ ſtützt, mit der rechten das Notenblatt zierlich zum Munde führend, und dann machte er den Verſuch, der ſchönen Fräulein A. durch Zei⸗ chen an den Tag zu legen, daß er nur für ſie allein lebe, athme, ſinge! Leider aber ſchien Amalie Zwicker dieſe Zeichen beſſer zu ver⸗ ſtehen, als diejenige, der ſie galten. Jetzt ſchlug der begleitende Muſiker