Teil eines Werkes 
25. Bd. (1860) Werke
Entstehung
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246 Gefährliche Blumenſträuße.

feſt, indem er ihm trocken zuflüſterte:Miſch dich nicht in Sachen, die dich durchaus nichts angehen.

Hier ſind die Briefe des Grafen, fuhr der General fort, indem er Papiere aus der Bruſttaſche zog,und zwiſchen denſelben befand ſich ein kleiner Blumenſtrauß.

Teufel, ein Blumenſtrauß! brach der Vicomte aus.

Ja, ein Blumenſtrauß, ſprach der General mit erhöhter Stimme, und in demſelben verſteckt ein Briefchen, ein Schreiben meiner Tochter Julie an Sie, Herr Baron.

O George! rief die junge Frau mit einem Ausdruck des Schmerzes und des Vorwurfes, indem ſie ſich an ihren Mann wandte. Dieſer ſtand einen Augenblick ruhig, ja lächelnd, dann zog er die Klingel, die neben dem Divan hing, wobei ihn alle erſtaunt anblickten, und als der Kammerdiener herein trat, ſagte er:Friedrich ſoll kom⸗ men. Der Bediente erſchien augenblicklich.Du haſt vorhin einen

Paletot von mir herunter geholt; wo fandeſt du ihn?

Wo der Herr Baron mir geſagt, vor dem Zimmer auf dem Tiſch.

Sonſt lag keiner da?

O ja, Herr Baron, noch mehrere.

Darf ich Euere Excellenz nun bitten, mir den Paletot übergeben zu wollen? Schau ihn an, Friedrich, aber diesmal genauer, das muß ich mir ausbitten; iſt das mein Paletot?

Der Bediente nahm das Kleidungsſtück in die Hand, beſchaute es von allen Seiten, und er hätte nicht nöthig gehabt, eine Antwort zu geben, ſein Geſicht ſagte genug, ſowie auch das Kopfſchütteln des Kammerdieners, welcher die Garderobe ſeines Herrn genauer zu kennen ſchien. Der Baron machte eine Handbewegung, worauf die Diener

ſich zurückzogen, dann ſprach er ruhig:Sie ſehen wohl, Excellenz,

daß hier eine Verwechslung vorgegangen.

Allerdings, erwiderte dieſer aufs Höchſte beſtürzt,aber Einem muß doch dieſer unangenehme Paletot gehören. Er blickte fragend im Kreiſe umher, während der Vicomte der Baronin zuflüſterte:

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