Gefährliche Blumenſträuße.
günſtiges geweſen ſein, denn er zuckte zuſammen, richtete ſich hoch auf, ſein Geſicht nahm einen nachdenkenden Ausdruck an, worauf er leicht mit dem Kopfe ſchüttelte, ſich unbemerkt aus der Kaminecke entfernte und geräuſchlos das Zimmer verließ, gerade im Augenblicke, als der Rittmeiſter heftig lachte.„Ich wette,“ rief dieſer nach einer Pauſe, „die Geſchichte hat den Damen doch am Ende leid gethan. Zehn gegen Eins möchte ich wetten, denn abgeſehen von Graf Rieden waret ihr beide doch ganz famoſe Partien. Uebrigens iſt mit ſolchen Blumen⸗ ſträußen nicht zu ſpaſſen, das kann ich euch verſichern, und bei der Verheirathung eines genauen Freundes von mir ſpielt auch ein ſolcher eine große Rolle. Mein Freund war der einzige Sohn ſeiner Mutter, einer Wittwe, ein reicher Gutsbeſitzer. Eine andere Wittwe hatte eine Tochter, aber gar kein Vermögen. Die Tochter war, verſichere ich euch, merkwürdig ſchön. Na, ich kann nicht mehr ſagen, als daß ich ſelbſt rmal in ſie verliebt war.“
„Das iſt ein Beweis,“ meinte Julius, indem er aufſtand.
„Nun gut, beide Wittwen waren befreundet, und mein kleiner Gutsbeſitzer hatte ſchon lange ſein Auge auf das Mädchen geworfen, aber nicht den Muth, ſich ihr zu nähern. Ihre Mutter hätte begreif⸗ licher Weiſe die Partie gar zu gern geſehen. Da zeigt ſich auf ein⸗ mal ein ſchon etwas ältlicher Kanzleirath, der das ſchöne Mädchen heimzuführen gedenkt. Gut. Die pfiffige Mutter rechnet: du willſt doch vorher noch einmal zu deiner Freundin hinausfahren, ihr die Sache mittheilen, vielleicht daß das Veranlaſſung zu einer Erklärung gibt. Ich wette aber Hundert gegen Eins, daß keine Erklärung er⸗ folgt wäre, wenn ſich nicht ein Blumenſtrauß ins Spiel gemiſcht hätte. Mutter und Tochter fahren nämlich auf der Eiſenbahn, und als ſie
ausſteigen wollen, bemerkt letztere ein prachtvolles, ganz friſches Bouquet, das im Gedränge liegen geblieben war. Der befragte Conducteur
zuckte die Achſeln und ſagte, ſie ſollten es nur mitnehmen. Das ge⸗
ſchieht, ſie kommen auf dem Gute an, und mein kleiner Gutsbeſitzer, Hackländers Werke. XXV. 16
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