Gefährliche Blumenſträuße. 235
Auch dieſer, ſchon geborſten, kann ſtürzen über Nacht,——
wie der Dichter ſagt; aber der Anblick dieſer Stätte wird gemildert durch eine Ziegenheerde, die mit ihren Glocken klingelnd das magere Grün zwiſchen den Steinen emſig herausſucht. Der Hirt in ſeinem weißen Schafpelze ſchaut lange, lange dem Wagen nach und at dabei gewiß ganz ſeltſame Gedanken von manchen Freuden dieſer Welt, die für ihn unerreichbar bleiben. Links von uns reiht ſich ein Kügel an den anderen, und getäuſcht durch die verſchiedenen Farben vom dun⸗ kelſten Violett bis zum hellſten Gelb glaubt man ein wogendes Feld zu ſehen. Und doch iſt alles unbeweglich und ſtill, weit, weit hinaus ohne eine menſchliche Wohnung, und was man hier von Werken der Menſchenhand ſieht: die majeſtätiſchen und ernſten Bogen einer zer⸗ trümmerten Waſſerleitung oder nin warftlales Baſſin, von rieſenhaften Quadern eingefaßt, deſſen Waſſerſpieg in dernaufgehenden Sonne leuchtet und ſtrahlt, vermehrt noch die ki Dede und Melancholie.“
„So,“ unterbrach ſich der Erzähler me einer gefälligen Handbe⸗ wegung gegen Julins,„jetzt habe ich euch glücklich die bewußte Nacht durchgebracht, von der ihr uns doch wahrſcheinlich keine intereſſanten Daten zu berichten wiſſen werdet, und hoffe ich nun von dir ein öf⸗ fentliches Lob zu erhalten über meine vortrefflichen Arrangements.“
„Die waren in der That über alles Lob erhaben,“ entgegnete der Andere.„Wir fanden während der Nacht überall unſere Pferde in Bereitſchaft und kamen ſehr raſch von der Stelle.“
„Außerordentlich raſch,“ ſeufzte der Vicomte.
„Und dann das vortrefflich arrangirte Frühſtück krönte deine Ver⸗ dienſte als Reiſemarſchall. Du wirſt übrigens zugeſtehen, daß wir
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dich bei unſerer Ankunft dankbarſt umarmten.“
„Ja, ja, ihr waret Alle außerordentlich erfreut und glückſelig,“ ſagte der Baron mit einem leichten, ſeltſamen Lächeln,„und ich muß geſtehen, unſre Fahrt nach Rom an dem damaligen Tage gehört zu meinen angenehmſten Reiſeerinnerungen.“
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