Poſtmeiſter unter d
234 Gefährliche Blumenſträuße.
‚iſt kein Römer, das iſt ein Birbante, Gott weiß aus welcher Pro⸗ vinz; ein ächter Römer betrügt keinen Fremden. Und der da hat mich auf doppelte Art betrogen, um meine Zeit und um mein Geld.“ Und nun erzählte ich ihnen mit kurzen Worten, wie ich ihn als Staf⸗ fette gedungen, ihm ein ſehr gutes Trinkgeld verſprochen, wie er aber, anſtatt zu eiten, hinten auf meinem eigenen Wagen gefahren. Ich verſichen, euch, meine kleine Rede war des Antonius würdig, und als ich nhehe Frage ſchloß: ‚kann das ein Römer ſein? hatte ich ſämmt⸗ liche Poſtillons für mich geſtimmt, ſie ſteckten ihr Meſſer ein, und Je⸗ der von ihnen, der mir wahrſcheinlich ohne dieſen Auftritt den glei⸗ chen Streich geſpielt hätte, ſchwor hoch und theuer, das ſei eine ganz niederträchtige Handlung und ich habe volles Recht gehabt. So war denn der Friede wieder hergeſtellt ich ſchickte abermals einen Poſtillon voraus, und als ich ihr kurze Zeit darauf folgend nach vielleicht zwei Stunden die 4 tion erreichte, ſtand dort bereits der
Thüe meine Pferde waren herausgezogen und die neue Staffette befand ſich ſchon im Sattel.“
„Vortrefflich!“ rieſ der Vicomte,„dem ſchuftigen Römer geſchah ſein Recht..
„Ich wette, der Kerl hit ſich auf keinen Wagen mehr geſetzt,“ ſagte der Rittmeiſter.
„Bald darauf,“ fuhr der Hausherr fort,„brach der Tag an, für mich ein unvergeßlicher Morgen, denn ich ſah zum erſtenmal die herr⸗ liche Campagna ſich vor mir ausdehnen, dieſe gewaltige Einöde ſo ſtumm und doch ſo beredt, ſo eintönig und doch wieder ſo mannig⸗ faltig und peachtig⸗ gefärbt. Glücklich wer ſie zum erſtenmale ſo er⸗ ſchaut wie ich, wenn der erſte Strahl der Sonne über ſie dahinblitzt, und wenn ſich aus dem tiefen, dunſtigen Blau, das ſie noch ſo eben bedeckte, langſam die glühenden Farben entwickeln, die ihr eigen ſind und die man ſonſt nirgends erblickt. Rechts auf der Höhe bemerken wir vielleicht einen rieſenhaften Trümmerhaufen, aus dem ein einziger Pfeiler hervorragt, doch:


