Teil eines Werkes 
25. Bd. (1860) Werke
Entstehung
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Gefährliche Blumenſträuße. 233

unſerer doppelläufigen Reiſepiſtolen in den Arm und ſo traten wir Beide in den Stall, wo die wild ausſehenden Kerle in den tollſten Coſtümen mit vielem Geſchrei ihre Pferde aufſchirrten. Meine Staf⸗ fette lehnte an einem Ständerpfoſten, freundlich grinſend, als ich nä⸗ her trat, und ſeine rechte Hand zuckte vor, als wolle er ſein Trink⸗ geld in Empfang nehmen. Du biſt wohl gut geritten? fragte ich

ihn. ‚Per Dio, Signor, das will ich glauben,⸗ entgegnete er mir.

Und das iſt eine ganz verfluchte Straße, immer Berg auf und ab, man riskirt bei jedem Schritt ſeinen Hals. Glaubt mir, ich habe ein gutes Trinkgeld verdient.: ‚Und wo iſt dein Pferd? ‚Mein Pferd? Dort hinten in der Ecke ſtehts. Aber um der Mutter Gottes willen gehen Sie nicht nah zu ihm hin, es ſchlägt und beißt. Die Frechheit war mir denn doch zu viel, der Zorn übermannte mich, ich faßte den ſchlanken Römer bei ſeiner Halsbinde, ſchüttelte ihn tüch⸗ tig durch, und während ich ihm eine ziemliche Maulſchelle gab, flog

er in das Stroh des Ständers. Natürlicher Weiſe kam der ganze

Stall in Aufruhr, von allen Lippen erſchallten maledetto's, die wild ausſehenden Kerle zogen die Meſſer aus ihren Hoſentaſchen und dran⸗ gen auf mich ein. Ich kann euch verſichern, es waren die ausgepräg⸗ teſten Räuberphyſiognomien, deren ſich kein Bild von Horace Vernet hätte zu ſchämen brauchen; zwiſchen den halb geöffneten Lippen glänz⸗ ten die weißen Zähne hervor, die großen Augen blitzten mir wild ent⸗ gegen, kurz ſämmtliche gelben Geſichter mit den kohlſchwarzen Haaren und den beiden langen Locken, die meiſtens an den Schläfen des rö⸗ miſchen Poſtillons herabhängen, ſchauten mich blutgierig, ja teufliſch an, ihr hättet für mein Leben keinen Kreuzer bezahlt. Mein vortreff⸗ licher Schabel mit ſeiner merkwürdigen Gelaſſenheit ließ unterdeſſen ruhig die Hähne ſeiner Doppelpiſtole knacken und richtete ſie bedächtig über meine Schulter nach dem tollen Haufen, aus dem hervor einer der Wildeſten ſchrie: ‚Ein Römer läßt ſich nicht ungerächt ſchlagen, das fordert Blut. Halt! rief ich ihnen entgegen, ‚da habt ihr vollkommen recht, aber der da ich wies auf meine Staffette