—-——n
— n —
226 Gefährliche Blumenſträuße.
Augenblick, wie die gewaltige ſteinerne Feſſel ahnend, die ihrem freien Laufe nun angelegt wird. Dumpf grollend und murmelnd drängt ſich das Waſſer zuſammen und ſtürzt mit einer raſenden Schnelle über den ebenen Boden und zwiſchen den glatten Wänden des Felſenkanals dahin. Man ſieht keine Bewegung mehr in der Waſſermaſſe, kein Tanzen und Spielen einzelner Wellen: wie eine feſte, geſchloſſene Maſſe von grünlichem Kryſtall mit ganz glatter Oberfläche rauſcht der Strom dem Abgrunde zu. Es ergreift uns ein eigenthümliches Bangen, ein Schwindel, wenn wir hart am Rande ſtehend irgend etwas in das Waſſer werfen und zuſchauen, wie ſelbſt ein ſchwererer Körper pfeilgeſchwind viele Schritte fortgeriſſen wird, ehe er zu Boden ſinken kann.“ „Einen hübſchen Anblick gewährten Schlingpflanzen und Sträu⸗ cher, die an den Rändern des Kanals wuchſen und ihre Blätter und Zweige auf das Waſſer niederſenkten. Die waren in einer ewig zit⸗ ternden, ich möchte ſagen, aufſchreckenden Bewegung, denn ſobald ein Blatt den Spiegel des Fluſſes berührte, wurde es haſtig wieder em⸗ porgeſchnellt, um gleich darauf abermals niederzuſinken. Wenn man übrigens hier am Kanal ſteht, ſo ſieht man natürlicher Weiſe vom Velinofalle nichts als eine glänzende, glatte, abgerundete Waſſerfläche, die hinter dem Felſenkamm verſchwindet, und einige Waſſerſtaubwolken, die aus der grünen Schlucht langſam aufſteigen und im Sonnenlichte wie glänzende, leuchtende Schleiermaſſen ausſchauen.“
„Dafür aber ſahen wir etwas Anderes da oben,“ meinte der Hausherr, indem er den Vicomte lachend anblickte.
„Unſere beiden vorausgeeilten Gefährten nämlich,“ fuhr Julius fort;„ſie ſtanden am Kanale, ſtatt aber in Betrachtung der Waſſer⸗ maſſe verſunken fanden wir ſie im Geſpräch mit drei Damen, den Beſitzerinnen des coloſſalen Reiſewagens drunten.“
„Daran war der Graf Rieden ſchuld,“ ſagte der Vicomte; „ſchon unterwegs hatte er mir erzählt, wenn er ſich nicht ſehr irre, ſo habe er die Equipage— er wollte das Wappen wieder erkannt


