Gefährliche Blumenſträuße.
leitungen in der Campagna. Der Vicomte wird uns genau ſagen können, welcher alte Römer ſich hier verewigt.“
„Ich will euch meine Schulweisheit nicht vorenthalten,“ ent⸗ gegnete dieſer.„Es war Manius Curius Dentatus, Samniums Beſieger, derſelbe Mann, welcher, wie die Geſchichte erzählt, gerade Rüben zu ſeinem Mittagsmahl in der Aſche briet, als meine ſamni⸗ tiſchen Collegen ihn mit ſchwerem Golde vergeblich verſuchten.“
„Ich wette,“ ſagte der Rittmeiſter,„daß der Vicomte heute zu⸗ fällig im Converſationslexikon geleſen.“.
Worauf der Andere achſelzuckend erwiderte:„Ihr vom Säbel begreift freilich nicht, daß man noch Einiges aus der Schule gerettet. Aber weiter, Julius.“
„Che Sie fortfahren, verzeihen Sie mir eine Frage,“ ſagte die Baronin.„Aus welchem Grunde half man denn dem Fluſſe nach und ließ ihn nicht in die Schlucht hinabſtürzen, wie und wo er ge⸗ rade wollte?“
„So ganz zuverläſſig kann ich das nicht angeben, gnädige Frau,“ entgegnete der Erzähler,„aber den alten römiſchen Republikaner trieben gewiß triftige Gründe zu der coloſſalen Arbeit. Einige behaupten, der Fluß hätte ſich, ehe er über die Felſen herabſtürzt, nach und nach einen tiefen See gewühlt und darauf Miene gemacht, umzukehren und den Sprung in das Nerathal zu vermeiden. Andere meinen, der Fluß habe durch Anſetzung von Kalkſtein im Verlauf der Zeit das natürliche Felſenwehr, über das er in die Nera ſtürzt, ſelbſt erhöht, auf dieſe Art ſein Waſſer geſtaut und den ebengedachten See gebildet. Genug, der Römer brach durch die Felſen einen breiten und tiefen Kanal über eine Meile lang bis an den Rand des Thales, und zwang nun den Fluß, da hinabzuſtürzen.“
„Es iſt ein wunderherrlicher Anblick, die Waſſermaſſe zu ſehen, wie ſie weit ausgebreitet über die Hochebene daher kommt, ſchäumend und ſtrudelnd an unzähligen Steinen anprallt und endlich den An⸗
fang jenes Kanals erreicht. Hier iſt es, als ſtutzten die Wellen einen Hackländers Werke. XXV. 15
1 1
b
——————
1 4
8
— —
——


