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222) Gefährliche Blumenſträuße. 1
Bald aber ſtieg der Weg aufwärts und die üppige Vegetation, welche, von der Fluth der Nera und der Waſſerfälle hervorgerufen, dies Thal wie keins ſonſt in Italien auszeichnet, blieb hinter uns. Wie iſt das Thal ſo prächtig, wie entwickeln ſich ſeine Schönheiten, je mehr man
aufwärts ſteigt! Terni liegt in einem Wald von Orangen, und in ₰ den Schluchten der felſigen Gründe, wo dieſer edle Baum nicht fort⸗ kommt, breiten mächtige Steineichen ihre immergrünen Blätter aus. 4 Und wie phantaſtiſch iſt das Flußbett, das ſich die Nera gebahnt, wie 8
rauſcht und ſchäumt das hellgrüne, klare Waſſer daher, mit dieſer Farbe an den heimathlichen Rhein erinnernd. Wie glitzert es im Sonnen⸗ ſchein, wie liebend beugen ſich Schlingpflanzen, ſelbſt die Zweige mäch⸗ tiger Bäume nieder auf ſeinen kryſtallnen Spiegel!“
„Ei, ei,“ ſagte lächelnd der Hausherr,„deine lebhafte Beſchrei⸗ bung des ſchönen Thales ſcheint mir nicht allein aus der Erinnerung an die Fluthen der Nera, an Orangen und Steineichen herzuſtammen. Für dich war gewiß alles das noch eigenthümlicher belebt.“ 1
Der Erzähler ließ ſich auf keine Antwort ein, ſondern fuhr fort: „Der gute und breite Weg, auf dem wir fuhren, wand ſich an der nackten gelben Felswand in die Höhe, und bald hörten wir das Rauſchen und Toben des Falles und erreichten endlich das Plateau, über welches der Velino gegen die Schlucht ſtrömt, in der dreizehn⸗ hundert Fuß tiefer die Nera fließt. Prächtig iſt von hier der Anblick der Gebirgsgegend rings umher. Erinnerſt du dich wohl daran,* George, wie öde und einſam uns die Zacken der Felsgebirge erſchie⸗
nen und wie die gewaltige Natur gleichſam ohne alles Leben war? 5 Ich werde nie den Augenblick vergeſſen, als wir die Höhe erreicht hatten und über die breiten Felſenplatten durch Brombeergeſtrüpp 4 gegen den Fluß hinkamen. Und wie überraſcht es ſo ſeltſam, hier,
wo man glaubt, daß nur die Natur geſchafft und gewirkt, großartige
Spuren von Menſchenhänden zu erblicken, welche den wilden Waſſern ihren Weg bahnten. Man findet hier ſtaunend ein Römerwerk, wahr⸗ lich nicht geringer als die coloſſalen Bauten in Rom oder die Waſſer⸗


