Ein Geheimniß.
Der Major ſtarrte fragend in die Höhe und richtete ſich halb
*
empor.
Graf mit zitternder Stimme,„ſo fuhr ſie auch zuweilen nicht dahin. „Ah, Ferdinand!“ „Wie ich dir ſage! Du kannſt dir denken, daß ich nicht den
Spion meiner Frau mache,— nein, was ich weiß, erfuhr ich zufällig.
Ihr kleiner Wagen wurde vorgeſtern Abends zu der Zeit, wo ſie mir
geſagt, ſie fahre zu ihrer Mutter, in der Schloßſtraße geſehen.“
„In der Schloßſtraße?“
„Du weißt dagegen, ihre Mutter wohnt beim herzoglichen Palais.“
„In der Schloßſtraße!“ wiederholte nachdenkend der Major.
„Dort hielt er vor dem Hauſe Nro. 120.“
„Nr. 120.— Wer wohnt da?“
„Ich erfuhr das erſt durch den Adreß⸗Kalender; denn mit Schrecken erinnerte ich mich, daß dort Niemand aus der Geſellſchaft wohnt. Es iſt ein großes Haus, die Bel⸗Etage beſitzt der Doctor G., der Leibarzt des Königs.“
„Und dein Hausarzt!“ rief lachend der Major.„Nun, was iſt da weiter zu fragen?“ 3
„Noch ſehr viel!“ entgegnete finſter der Graf.„Der alte Medi⸗ cinalrath iſt freilich mein Hausarzt. Doch erinnere dich, daß er mich jede Woche ein paar Mal beſucht und daß Marie vollkommen geſund iſt. Auch nimmt der Doctor, wie bekannt, Abends nie Beſuche an. Da macht er zur beſtimmten Stunde ſein Spiel auf dem Caſino und iſt nur dort zu finden.— Alſo weiter!“
„Meinetwegen weiter! Was ſagt der Adreß⸗Kalender?“
Der Graf ſtützte den Kopf in die Hand, verbarg einen Augen⸗ blick ſein Geſicht und ſagte dann mit ſo leiſer Stimme, als wenn er zu ſich ſelbſt ſpräche:„In demſelben Hauſe, Schloßſtraße Nr. 120, wohnt jener junge Mann, mit dem ich das Duell gehabt.“*
Hackländers Werke. XXV. 3 6 4
„Wenn ſie ſagte, ſie fahre zu ihrer Mutter,“ antwortete der 6


