48 Ein Geheimniß.
glücklich ſei, wie noch vor kurzer Zeit, und ſie antwortete mir ſchein⸗
bar erſtaunt, ſie habe ſich durchaus nicht verändert. Aber ihr bleiches
Geſicht in ſolchen Augenblicken widerſpricht ihrer Rede. Ich habe ſie gebeten mit den herzlichſten Worten, die ein Liebender vor der Ge⸗ liebten ausſprechen kann. Ich habe ihr geſagt: Marie, verſchweige mir nichts! Fehlt dir etwas? Haſt du Kummer? obgleich ich mir nicht denken kann, wie das möglich iſt. Vertraue deinem beſten
Freunde!— Umſonſt! ſie lächelte oft unter wirklichen Thränen und ſagte: Du irrſt dich, Ferdinand, mir fehlt nichts, ich bin ganz glücklich.“
„Ganz glücklich, ſagte ſie?“
„Ja, oder ganz zufrieden. Doch endlich fing ich an, mich über dieſe Antworten ein wenig zu ärgern.“ 3
„Du wurdeſt heftig?“
„Wenigſtens dringender in meinen Fragen. Ich wollte ihre Antworten nicht gelten laſſen. Ich verſicherte ihr, ſie habe Unrecht, mir nicht zu vertrauen.“
„Und darauf?“
„Ah, darauf!“ rief der Graf heftig aus und ſchritt abermals durch das Zimmer;„darauf zog ſie ſich vor mir zurück, verließ oft halbe Tage ihr Zimmer nicht, und wenn ſie endlich zum Vorſchein kam, ſo war es oft nur, um ihren Wagen zu verlangen und zu ihrer Mutter zu fahren.“
„Zu ihrer Mutter zu fahren!“ wiederholte ernſt der Major.
Vei den Worten blieb der Graf auf ſeinem Spaziergange plötz⸗ lich vor dem Freunde ſtehen, ſah ihn feſt an, preßte ſeine Hand krampfhaft in die Lehne des Fauteuils und ſagte mit tiefer Stimme: „Warum wiederholteſt du meine Worte, Major?“
„Ich dachte darüber nach,“ entgegnete dieſer erſtaunt.„Ich wiederholte ſie eigentlich ohne alle Urſache, ohne allen Grund.— Doch deine Frage, mein lieber Ferdinand?“
„Hat ihren guten Grund,“ erwiderte der Graf raſch und heftig.
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