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Ein Geheimniß.
„Und dergleichen kam häufig vor?“ „Zuerſt ſeltener, dann häufiger,“ erwiderte der Graf mit einem
tiefen Seufzer.„Marie iſt nicht mehr, wie ſie war; es iſt eine um⸗ 5
wandlung mit ihr vorgegangen, die ſie mir zu verbergen ſtrebt, die ich aber, trotz ihrer oft erkünſtelten Heiterkeit, entdeckte. O, mein Freund, das Auge der Liebe ſieht ſcharf! Und du weißt, wie ich meine Frau liebe! Du weißt, daß ſie mir Alles iſt— mein Denken, mein Fühlen! Ich bete ſie an!“
„Alſo eine Wirkung hätten wir entdeckt,“ entgegnete nachdenkend der Major,„aber keine Urſache.“
„Keine, die ich zu denken wage!“ entgegnete heftig der Graf. „Dieſe Umwandlung meiner Frau kam ſo leiſe und allmälig, daß ich mich oft frage: Irrſt du dich nicht? Iſt Marie vielleicht immer ſo geweſen, und du haſt es nicht bemerkt? Der Gedanke kann mich ſo beherrſchen, daß ich zuweilen meine Augen ſchließe und mir mit Gewalt ihr Bild zurückrufe, wie ich es immer vor mir geſehen; jung, heiter, blühend und glücklich. Wenn nun dieſes Bild in ſeinen glän⸗ zenden Farben ſo recht feſt vor mir ſteht und ich dann meine Augen öffne und mein geliebtes Weib anſchaue, wie ſie vor mir ruht in ihrem kleinen dunkeln Sammt⸗Fauteuil, die weißen Hände auf beide Lehnen geſtützt, tief in den Sitz geſchmiegt, als wolle ſie ſich vor der ganzen Welt verbergen, das ſonſt ſo glänzende Auge mit dem umflorten Blick weit hinausſtarrend und unter dem immer noch roſigen Teint eine krankhafte Bläſſe hervorlauſchend— ah, dann fahre ich erſchreckt empor und ſehe, daß ich mich nicht getäuſcht, daß Marie leidet!“
„SDeine Frau iſt ſiebzehn Jahre alt?“ fragte der Major.
„Sie war ſiebenzehn an ihrem Hochzeitstage,“ antwortete Graf Ferdinand.
„Und du haſt ſie nie befragt, ob ihr etwas fehle, ob ſie Kummer habe?“
„O, wie oft! Sie ſchüttelt den Kopf und ſagt Nein. Ich habe ſie angefteht, mir zu ſagen, warum ſie nicht mehr ſo heiter und


