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46 Ein Geheimniß.
ich ſchonte ihn, und das mochte ihn am Ende noch verſtimmen, denn wir trennten uns kalt und förmlich.“
Hier machte der Graf eine Pauſe und ſchritt einmal in dem Zimmer auf und ab. Als er darauf wieder zum Kamin trat, ſagte er:„Du haſt Recht, Major, du kennſt meine Frau. Du haſt ſie vorhin ſehr wahr geſchildert; und dieſe glückliche Ruhe ihrer Seele, dieſe wohlthuende Harmonie, dieſes klare, beſtändig ungetrübte Auge, ihre kindliche Heiterkeit bei ſo hohem Verſtande war mein Stolz, mein Glück.“ 3
„Es war dein Glück?“ fragte aufmerkſam der Major, indem er ſeinen Freund ernſt anblickte.
„Ich bin jetzt fünf Monate verheirathet,“ verſetzte der Graf, ohne eine directe Antwort zu geben.„Vor vier Wochen war jene unange⸗ nehme, jene lächerliche⸗Duellgeſchichte. Wenige Tage darauf fand ich meine Frau merklich verändert.“
„Hat ſie jene Geſchichte erfahren?“ fragte beſorgt der Major.
„Ich glaube nicht; denn mein Gegner, ſowie unſere Secundanten gaben ſich das feierliche Ehrenwort, nie darüber zu ſprechen.“
„Auf welche Art veränderte ſich deine Frau?“
Der Graf zuckte die Achſeln.„Kann ich das ſo genau ſagen?“ entgegnete er.„Man iſt nicht jeden Tag gleich geſtimmt, man iſt arglos, man beobachtet nicht immer. Aber eines Tages bemerkte ich, daß Marie nicht ſo heiter ſei wie gewöhnlich. Ihr Lächeln ſchien mir etwas Gezwungenes zu haben; ſie ſtarrte oft träumend vor ſich hin, ja, ſie blieb mir hier und da eine Antwort ſchuldig; dann fuhr ſie plötzlich empor, und wenn ſie mich anſchaute mit ihren großen dun⸗ keln Augen, ſo bemerkte ich einen ſeltſamen Schimmer darin, eigent⸗ lich keine Thränen, aber etwas Nebelhaftes, etwas, das den früheren Glanz ihres Blickes löſchte. Auch war ſie gern allein; ſie vermied ſogar zuweilen meine Geſellſchaft, und wenn ich zuweilen beſorgt ihre Hand faßte und ſie herzlich fragte, ob ihr etwas fehle, ſo zuckten ihre Lippen und eine tiefe Bläſſe flog über ihre Züge.“


